Abschlussveranstaltung

zum Projekt "Alpenflusslandschaften - Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze"

Gemeinsam zurückblicken

Partner bei der Auftaktveranstaltung des Projekts (Bild: Lothar Armbruster)

Das Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften“ geht zu Ende. Viel ist passiert in den sechs Jahren der Projektlaufzeit: 18 Partnerorganisationen haben 68 Maßnahmen an Isar, Ammer, Lech und Wertach umgesetzt: Bagger waren im Einsatz, um das Flussbett mit Kies anzureichern, die Befreiung der Ammer aus ihrem Korsett wurde geplant, seltene Pflanzenarten wurden an Flussufern ausgesetzt, kleine Seeforellen in die Ammer entlassen, es wurde gemäht, entbuscht und auch Ziegen, Esel und Rinder zum Erhalt von Silberwurz, Sumpfgladiole und Frauenschuh eingesetzt. Zeitgleich wurden viele Gespräche geführt zwischen Menschen mit unterschiedlichen Interessen. So ist ein stabiles Netzwerk entstanden. Es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass es sich lohnt, gemeinsam für den Erhalt vielfältiger Flusslandschaften einzustehen.

 

Am 2. Februar 2021 präsentierten die Partner die Resultate ihrer Arbeit in einer virtuellen Veranstaltung, die von Georg Bayerle moderiert wurde. An dem spannenden und unterhaltsamen Abend nahmen rund 250 Gäste teil.

 

Sollten Sie die Abschlussveranstaltung verpasst haben, können Sie hier alle Beiträge des Abends noch einmal in voller Länge verfolgen. Falls Sie nicht ganz so viel Zeit mitbringen, haben wir die Highlights des Abends in einem 15minütigen Clip zusammengestellt. 

 

Abschiedsworte aus dem Projekt

Wolfgang Hug, WWF Deutschland

Zum 31. März 2021 endet unser Hotspot-Projekt nun ganz offiziell und es ist mir wichtig, an dieser Stelle einmal Vielen Dank zu sagen – und zwar an alle, die daran beteiligt gewesen sind, Projektpartner, Akteure im Kleinen, im Großen und alle mit viel Motivation versehen, und natürlich und ganz besonders Ihnen liebe Leser. Bei der Umsetzung der 68 Projektmaßnahmen ist viel passiert, schöne Erfolge wurden eingefahren und wir alle haben ganz viel gelernt. Und was mich ganz besonders gefreut hat, ist erleben zu dürfen, wie sich ganz viele Akteure auf ganz unterschiedlichen Ebenen für den Erhalt der Biologischen Vielfalt in den beiden Hotspotgebieten und an den vier Alpenflüssen Isar, Loisach, Ammer und Lech eingesetzt haben. Wir werden alle in ein paar Jahren auf die vielen schönen, gemeinsam erlebten Aktivitäten und Momente zurückblicken und uns erinnern, wie wohltuend es sein kann, sich für eine naturnahe Entwicklung der Alpenflusslandschaften einzusetzen. Damit verknüpfe ich auch den Wunsch, dass wir auch in Zukunft, für kleine und große Maßnahmen und Projekte, die in den letzten 6 ½ Jahren entstandenen Netzwerke nutzen können. Das erfolgreiche Zusammenführen unserer vielseitigen Kompetenzen, der Wissenstransfer und der gemeinsame Wunsch etwas für den Erhalt der Natur in der Heimat zu tun, war in diesem Projekt so erfolgreich, dass daraus ein reichhaltiger Nährboden für eine Zusammenarbeit auch in der Zukunft entstanden ist. Ich wünsche Ihnen allen viele schöne Erinnerungen an das Projekt und an die Menschen, die sich über all die Jahre auf ganz unterschiedliche Art und Weise im und für das Projekt und darüber hinaus eingesetzt haben. Ich freue mich auf alle zukünftigen Begegnungen und wünsche Ihnen allen viel Gesundheit und Erfolg bei den Aufgaben denen Sie sich annehmen.

 

Matthias Hett, Untere Naturschutzbehörde, Lkr. Weilheim-Schongau

Ich bin summa summarum sehr begeistert und beeindruckt über das, was in den letzten 6 Jahren in und mit unserem Projekt alles geleistet und auf den Weg gebracht worden ist. Und ich bin dankbar für dieses gemeinsame Projekt und möchte mich als Vertreter des Verbundpartners Landkreis Weilheim-Schongau bzw. der Unteren Naturschutzbehörde an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich bei allen Mitstreitern:innen bedanken für das außerordentliche Engagement und die gegenseitige Unterstützung.

 

Benjamin Schwarz, Kath. Kreisbildungswerk

Für uns als Katholisches Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen war das Alpenflusslandschaften-Projekt eine große Bereicherung in dreifacher Hinsicht. Durch unsere Veranstaltungen im Rahmen des Projekts konnten wir vielen Menschen Wissen und Werte der Flusslandschaften vermitteln und sie für die uns umgebenden Naturschätze sensibilisieren. Diese Menschen fungieren zugleich als Multiplikatoren. Vier von uns konzipierte Pilgerwege zum Thema „Biologische Vielfalt trifft Schöpfungsspiritualität“ sind eine bleibende Einrichtung und ermöglichen Wanderungen entlang landschaftlich und kulturhistorisch besonders beeindruckender Routen. Bei all unseren Tätigkeiten im Projekt profitierten wir vom Netzwerk der Verbundpartner und freuen uns, dass wir mit unseren Schwerpunktthemen Bildung, christliche Spiritualität und Pilgern einen Beitrag zu diesem großen Projekt leisten durften. Unser Engagement im Bereich Schöpfungsverantwortung endet nicht mit dem Projekt, sondern wird als eigene Programmkategorie in unserem Bildungswerk fortgeführt. Wir laden auch in Zukunft herzlich ein, bei einer geführten Pilgerwanderung teilzunehmen.

 

Joachim Kaschek, Untere Naturschutzbehörde Lkr. Wolfratshausen Bad Tölz

Man kann es kaum glauben. Für uns waren es mit dem Projektaufruf und  der Vorbereitungszeit insgesamt 8 spannende Jahre mit großen Herausforderungen schon bei der Konzeption der Projektidee bis zu deren Umsetzung mit einer Vielzahl von Akteur:innen und kritischen Beobachter:innen. Trotz enorm hoher Arbeitsbelastung, die viele von uns zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft bewältigen mussten, hat es sich unterm Strich gelohnt, an dem Großprojekt teilzunehmen und mitzuwirken. Wir glauben, dass die „Netzwerke“, die dabei geknüpft wurden, auch zukünftig erhalten bleiben werden. An dieser Stelle vielen Dank an alle Akteur:innen, seien es die Kolleg:innen des WWF Deutschland, welche von Weilheim aus nicht nur die Fäden zusammen halten mussten, sondern ja auch eigene Projekte umsetzen sollten, dem Bezirk Oberbayern, der mit der Dialogreihe jährliche Highlights gesetzt hat, aber auch allen anderen Verantwortlichen der vielen Einzelprojekte und Maßnahmen, welche „unserem“ Projekt über das Oberland hinaus viel Aufmerksamkeit verschafft hat. Aber auch herzlichen Dank unseren Evaluator:innen und Werkvertragsnehmer:innen, welche mitgeholfen haben den Erfolg überhaupt möglich zu machen und für deren „input“ wir dankbar sein müssen. Die Projektideen welche Isartalverein und Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verantwortet haben, bleiben uns in jedem Fall weit über das Projektende hinaus erhalten. Die knapp 50 ha Weideflächen entlang der Isar, wurden aktuell für die nächsten 5 Jahre in das Vertragsnaturschutzprogramm überführt. Die Beträge aus dem VNP für solche Maßnahmen haben sich während der Laufzeit des Projekts zweimal erhöht – auch ein Zeichen der Wertschätzung für diese Art der Landschaftspflege und eine gewisse Sicherheit, dass auch in Zukunft Partner aus der Landwirtschaft sich für diese Art der Wertschöpfung gewinnen lassen und teilhaben an den Erfolgen der Naturschutzarbeit. Und ein weiteres Merkmal der letzten Jahre wollen wir aufrecht erhalten – nämlich die Umweltbildung in Form von Vorträgen, vor allem aber bei Führungen ins Projektgebiet, bei denen uns Ziegen, Esel und Rinder helfen den Teilnehmer:innen das Thema Wildflüsse näher zu bringen. Deren Begeisterung, gelegentlich auch kritisches Hinterfragen sind für uns Ansporn genug.

 

Sigrun Lange, WWF Deutschland

Vor gut sechs Jahren trat ich meine Stelle beim WWF Deutschland an, um die Kommunikation im Verbundprojekt zu koordinieren, dafür zur sorgen, dass wir nach außen unter einer gemeinsamen Marke auftreten, und um eigene Maßnahmen, wie das Flussfilmfest oder den Kleinkunstwettbewerb, für den WWF umzusetzen. Ich hatte damals schon reichlich Erfahrung in der Naturschutzarbeit, doch mit Flusslandschaften hatte ich mich noch nicht explizit beschäftigt (mit Ausnahme der Nutzungskonflikte durch Mountainbiker an der Isar). Um mir mein neues Arbeitsgebiet nicht nur über Fachliteratur zu erschließen, sondern sozusagen der Seele der Flüsse nachzuspüren, besorgte ich mir ein Packraft und begann, mir einige Flüsse zu erpaddeln. Seit ich mich dabei einmal im Geflecht der Seitenarme des Tagliamento-Flussbetts, dem König der Alpenflüsse, verloren habe, weiß ich, was einen Wildfluss ausmacht, und was unseren Flüssen meist fehlt: der Platz, die Freiheit, die stetige Veränderung. Dies war und ist meine Motivation, mich für den Erhalt und die Wiederherstellung lebendiger Flusssysteme einzusetzen. Trotz manch kleiner Reibereien, die ein Großprojekt mit 18 Partner-Organisationen natürlich auch mit sich bringt, war es erfüllend zu sehen, wie viele Menschen sich für Flüsse begeistern (oder begeistern lassen) und wie viel man erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Wir waren eine heterogene Gruppe, die schon allein aufgrund der Vielzahl der Akteur:innen nicht immer einfach zu koordinieren war, doch gerade darin lag auch unsere Stärke. Wir haben ein großes Netz gesponnen aus Flussfreund:innen und -expert:innen, wir werden dran bleiben und uns weiter dafür engagieren, um unsere Flüsse wieder ein Stück weit lebendiger zu gestalten. Mir hat es viel Spaß gemacht, mit euch allen in diesem Projekt wirken zu können! Vielen Dank für das Miteinander, den Erfahrungsaustausch, die gegenseitige Unterstützung und natürlich auch für manch fröhlichen Abend nach getaner Arbeit!

 

Andrea Burmester, Regierung von Oberbayern

Nach der gelungenen Veranstaltung des Kleinkunstwettbewerbs letzte Woche geht unser Hotspotprojekt nun wirklich zu Ende. Meine allererste E-Mail zu den Projektvorläufern datiert vom 13. Februar 2012! Damals kam die Botschaft aus Bonn, dass drei oberbayerische Gebiete zu Hotspots „geadelt“ wurden. Heute verstehen wir unter „Hotspot“ leider etwas komplett anderes. Ob das Projekt mit so vielen Akteur:innen und Projektpartner:innen zu Corona-Bedingungen überhaupt zustande gekommen wäre? Wir merken derzeit, wie wichtig „Kontakte“ sind und wie wir sie vermissen. Insofern hoffe ich, dass wir künftig auf die vielen Kontakte, die im Rahmen des Projekts entstanden sind, aufbauen können und weiterhin gemeinsam etwas für unsere oberbayerische Natur bewegen werden. Ich freue mich auf eine mögliche weitere Zusammenarbeit und bin gespannt auf neue Projektideen. Vielen herzlichen Dank an Sie/Euch alle für Ihr/Euer großes Engagement für unsere Alpenflüsse!

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