Auenwälder

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Auen und Auwälder

Unter Auen versteht man Bereiche, die an Bäche oder Flüsse angrenzen und von diesen regelmäßig überschwemmt werden. Durch die Ablagerung von Gestein und Sedimenten nach einer Überflutung entstehen immer wieder neue Landschaftsbilder. In der Natur bleibt nichts wie es ist und in der Aue kann man diesen Wandel besonders gut beobachten.

Durch die schöpferische Dynamik, den steten Wechsel zwischen nass und trocken, das Verschwinden und Entstehen von Landschaftsstrukturen, bieten die Auen anspruchsvolle Lebensräume für eine große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas! Je nach Häufigkeit und Intensität der Überschwemmungen bilden sich vegetationsarme Kiesbänke, Sträucher und Gebüsche aber auch Auwälder heraus.
 

Bild Schnalz

 

Auwald-Typen

Die Weichholzaue wird häufig überschwemmt und steht oft tage- oder wochenlang unter Wasser. Hier dominieren genügsame, schnellwachsende Baumarten wie Weide, Erle und Pappel. Sie können unter diesen extremen Bedingungen überleben und haben sich hervorragend angepasst. Die Schwarz-Erle wird in höheren Lagen der Voralpen durch die Grau-Erle ersetzt. Die Hartholzaue nimmt Bereiche ein, die weniger häufig und weniger intensiv überschwemmt werden. Hier wachsen Bäume, die den Wechsel zwischen Nässe und Trockenheit gut ertragen: Esche, Ulme, Berg-Ahorn und Stieleiche. Die oft sehr dichte Strauchschicht wird typischerweise dominiert von Hartriegeln, Weißdorn, Traubenkirsche, Schneeball, Heckenkirsche und Pfaffenhütchen. Durch hohe, krankheitsbedingte Ausfälle bei Esche und Ulme („Eschensterben“ und „Ulmensterben“) ist dieser Waldtyp in den letzten Jahren einem gravierenden Wandel unterworfen und es ist noch nicht absehbar, wie sich die Baumartenzusammensetzung in der Zukunft entwickeln wird.

An den Oberläufen unserer Alpenflüsse dominieren die „Grobmaterialauen“. Im Gegensatz zu den „Sandauen“ tiefer gelegener Flussabschnitte besteht das mitgeführte Material hier zum Großteil aus grobem Kies und Steinen. Durch die natürlicherweise häufige und schubweise Umlagerung des Geschiebes entstehen flache, weit aufgefächerte Flussbetten, wie wir sie von den beliebten Kiesbänken an der Isar kennen. Das grobe Substrat kann wenig Wasser halten, weshalb es nach einer Überflutung stark austrocknet. An diesen extremen Lebensraum ist ein Waldtyp angepasst, der als Relikt aus der letzten Eiszeit gilt: der Schneeheide-Kiefernwald. Im Hotspotprojekt spielt er z.B. in der Pupplinger Au eine wichtige Rolle.

Auch für den Menschen sind funktionsfähige Auen sehr wichtig: Ganz aktuell schützen uns die Auen: durch die Aufnahme des Wassers und die Verzögerung der Fließgeschwindigkeit helfen sie, Hochwasserspitzen abzumildern. Aus diesem Grund spielen die letzten Reste naturnaher Auflächen eine zentrale Rolle im Hochwasserschutzkonzept Bayerns.

Bild Überschwemmung

 

Gefährdung der Auen

Doch sind diese wertvollen Biotope selten geworden. Seit Jahrhunderten ringt der Mensch den Flüssen ihren Platz ab um landwirtschaftliche Produktionsflächen zu vergrößern, Baugebiete zu erschließen oder dort entstandene Siedlungen vor Überflutung zu schützen. Die unter natürlichen Umständen kurvenreich mäandrierenden Alpenflüsse wurden durch Deiche eingezwängt. In der Folge erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit der Flüsse und sie fraßen sich tiefer in ihr Bett. Die Eindeichung und Eintiefung führten dazu, dass die meisten Auenflächen von der Flussdynamik abgeschnitten wurden. Die Folge: Die Hochwasser erreichen die Auen nicht mehr, die hochspezialisierten Tiere und Pflanzen werden von „Allerweltsarten“ verdrängt. Hinzu kommt, dass durch Stauseen und Wasserkraftwerke ein Großteil des Geschiebes zurückgehalten wird. Es fehlt als „Baumaterial“ für die permanente Umgestaltung der Flusslandschaften. Die Folgen sind neben dem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt auch verschärfte Hochwasserspitzen.

Auenschutz und Renaturierung im Hotspotprojekt

Im Hotspotprojekt Alpenflusslandschaften werden wir mit mehreren Maßnahmen aktiv um Auen zu schützen und ihnen wieder mehr Raum zu geben: In der Pupplinger Au an der Isar soll der sensible Vegetation durch ein durchdachtes Beweidungskonzept erhalten werden. An der Ammer sollen bei Peißenberg trocken gefallene Altarme vernässt werden, um Feuchtbiotope in der Au wiederzubeleben. In der Schnalzaue, am Ende der canyonartigen Ammerschlucht, suchen wir gemeinsam mit den Bayrischen Staatsforsten nach Möglichkeiten, den künstlich eingezwängten Fluss zu befreien und einen großen Teil der Aue wieder an die gestalterische Kraft der Ammer anzubinden.

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