Die Deutsche Tamariske – durchsetzungsstark unter Extrembedingungen!

Die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica), auch Rispelstrauch genannt, ist ein Strauch, der auf offenen Kiesbänken der Alpen- und Voralpenflüsse zu Hause ist – ein äußerst unwirtlicher Lebensraum! Die Pflanze muss Überflutungen ebenso standhalten, wie extremer Trockenheit und Hitze, da Kies sehr wasserdurchlässig ist und kaum Feuchtigkeit speichern kann. Der Vorteil ist jedoch: Auf diesen Flächen gibt es zunächst wenig Konkurrenz. Als klassische Pionierart keimt die Deutsche Tamariske sehr schnell (bereits nach 24 Stunden) und kann sich daher gegen andere Pflanzenarten durchsetzen. Mit ihren Pfahlwurzeln verankert sie sich fest im Untergrund und übersteht so auch Überschwemmungen. Werden die Kiesbänke jedoch nicht regelmäßig vom Fluss umgelagert, wird der Strauch nach und nach von Weiden und Erlen verdrängt. Die natürliche Dynamik von Flüssen mit wiederkehrenden Hochwasserereignissen ist also notwendig, um die Konkurrenz auszuschalten und den Lebensraum der Tamariske zu sichern.

Deutsche Tamariske

Die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica) ist ein rutenartig verzweigter, 60 bis 200 cm hoher Strauch mit winzigen, schuppenförmigen, grau-grünen Blättern. Bei genauerer Betrachtung sind in der Blütezeit von Juni bis August kleine rosa oder weiße Blütentrauben zu erkennen. Die Bestäubung der Deutschen Tamariske erfolgt weitgehend durch Insekten, zum Teil aber auch durch Selbstbestäubung. Ihre Samen haben einen Haarschopf und werden durch den Wind verbreitet.

Vom Aussterben bedroht

Aufgrund der starken Verbauung unserer Flüsse in der Vergangenheit gibt es immer weniger naturnahe Bereiche, in denen Kiesflächen regelmäßig umgelagert werden. Der Lebensraum der Deutschen Tamariske ist damit stark geschrumpft. Ihr Bestand gilt als stark gefährdet. An einigen Flüssen wie Lech und Salzach kommt sie gar nicht mehr vor. In Bayern ist die Deutsche Tamariske vom Aussterben bedroht (Gefährdungsstufe 1 der Roten Liste Bayern). An den Oberläufen von Lech (Lechfall bis Landesgrenze) und Isar (oberhalb Lenggries) ist sie noch vereinzelt anzutreffen.

 

Tamariske an der Isar
Deutsche Tamariske an der Isar, © Sigrun Lange

Neue Chancen für die Tamariske

Im Rahmen des Hotspot-Projektes soll die Tamariske wieder an Ammer und Lech angesiedelt werden. An der Ammer existieren derzeit noch wenige Exemplare der bedrohten Art. Das letzte großflächige Vorkommen der Tamariske wurde bereits in den 1960er Jahren durch eine wasserbauliche Maßnahme zerstört. Die letzte kleinere Population verschwand nach einem starken Hochwasser im Jahr 1999. Seither entstanden durch Renaturierungen des Wasserwirtschaftsamts jedoch neue Kiesbänke an der Ammer. Damit ergeben sich neue Chancen für eine Wiederansiedlung der Tamariske. Am Lech gelten die Tamariskenbestände bereits als erloschen. Aufgrund der zahlreichen Staustufen scheint der Fluss auch weitgehend ungeeignet für eine Wiederansiedlung der Art. Dennoch werden am letzten naturnahen Lechabschnitt, der Litzauer Schleife, Tamarisken gepflanzt. Denn mit Hilfe der geplanten Redynamisierung des Lechs sollen die Standortansprüche der Deutsche Tamariske dort annähernd hergestellt werden.

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