Hochwasserschutz

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Stillstand statt Dynamik

Energiegewinnung, Hochwasserschutz, Landbewirtschaftung und Siedlungsdruck – in der Vergangenheit wurden unsere Flüsse massiv begradigt, verbaut und ihrer natürlichen Dynamik beraubt. Die Folgen: Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt sind aktuell (Stand: 2015) knapp 60 Prozent der bayerischen Flüsse in keinem "ökologisch guten" Zustand, wie er von der Europäischen Union in der Wasserrahmenrichtlinie gefordert wird.

 

Wasserkraftnutzung – am Beispiel des Lechs

Zwischen 1950 und 1970 wurde der Lech in Bayern von einem frei fließenden Fluss in eine Seenkette verwandelt, um Energie zu gewinnen. Der Forggensee, Bayerns fünftgrößter See, ist der Kopfspeicher für weitere 24 Staukraftwerke und fünf Laufkraftwerke. Die Stauseen, Natur aus zweiter Hand, mögen für den Wassersport oder zum Baden geeignet sein, für das Flussökosystem sind sie eine Katastrophe. Die natürliche Dynamik des Flusses kommt völlig zum Erliegen, die Stauseen verschlammen und verlanden zunehmend, Wildflussarten verschwinden. Vergleichen Sie selbst: Das verzweigte Flussbett des Lechs bei Schongau (fotografiert 1949 von Heinz Fischer; Rechte: Stadtarchiv Königsbrunn, NL Dr. Heinz Fischer) und der heutige Stausee an der Staustufe 6, die 1959 errichtet wurde (fotografiert 2009 von Eberhardt Pfeuffer).

 


Der Hochwasserschutz – am Beispiel der Isar

Der Sylvensteinspeicher wurde zwischen 1954 und 1959 gebaut, um einen konstanteren Wasserspiegel der Isar zu erreichen und damit insbesondere die Stadt Bad Tölz vor Hochwasser, aber auch vor Wassermangel zu bewahren. Wassermangel? In der Isar? Ja, denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Isar im oberen Teil immer mehr Wasser entzogen, um die Leistung des 1924 in Betrieb genommenen Walchensee-Kraftwerks zu erhöhen: Am Krüner Wehr wird die Isar zu großen Teilen in den Walchensee umgeleitet und auch der Rißbach, welcher ehemals in die Isar floss, wird seit 1949 über lange Stollen in den Walchensee geführt. Ursprünglich entwässerte auch der Achensee über die Ache in die Isar. Mit dem Bau des Achensee-Wasserkraftwerks in Jenbach im Jahre 1927 wurde der Isar auch dieser Wasserzufluss entzogen, da der Achensee von da an primär über das Kraftwerk in den 380 m tiefer gelegenen Inn abgeleitet wird. So wurde die Isar im oberen Teil immer mehr zur Flussleiche. In Trockenzeiten sank der Wasserspiegel, so dass vor allem die Stadt Bad Tölz unter Wassermangel litt. Der Sylvensteinspeicher wurde gebaut, um Abhilfe zu schaffen und Wasserversorgung und Hochwasserschutz gleichermaßen zu erreichen.

 

Auch wenn die Isar in Naturschutzgebieten wie der Pupplinger Au heute noch wie ein richtiger Wildfluss wirkt, die typische Dynamik eines Wildflusses ist ihr verlorengegangen - mit weitreichenden Folgen für die wildflusstypischen Lebensräume: Offene Kiesbänke gehen stark zurück, sie werden zunehmend von Wald bewachsen. Vergleichen Sie selbst: die Pupplinger Au, fotografiert von der Weißen Wand bei Icking 1949 von Helga Fietz und aktuelles Foto von Alfred Ringler (2016).

 


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