Die Flussseeschwalbe – 
ein bedrohter Kunstflieger!

Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) ist eine Charakterart der dealpinen Flüsse mit ihren Kies- und Sandinseln. Sie ist in etwa so groß wie eine Türkentaube, hat eine hellgraue Rückenpartie, eine weiße, im Überflug graue Unterseite und einen tief gegabelten Schwanz. Charakteristisch sind die schwarze Kopfhaube und ein orangeroter Schnabel mit schwarzer Schnabelspitze. Die Beine der Flussseeschwalbe sind rot gefärbt.

 

Flussseeschwalben (Bildautor: Marcus Bosch)

Leider ist die Flussseeschwalbe nach der Roten Liste Bayern als gefährdet eingestuft! In den vergangenen Jahrzehnten haben die eleganten Vögel nur mit Hilfe von speziell für sie eingerichteten Brutflößen als Brutvogelart in Bayern überlebt. Gründe für ihr Verschwinden sind der Verlust an Lebensraum in Folge von Flussbegradigungen und Kraftwerksbauten, die heute an nahezu allen Alpenflüssen die natürliche Flussdynamik stark einschränken. Ohne die natürliche Flussdynamik kommt es im Bereich des Flussbetts zu keinen nennenswerten Kiesumlagerungen mehr. Fehlt die natürliche Flussdynamik, wachsen die offenen Kiesinseln und Kiesbänke innerhalb von wenigen Jahren sukzessive mit Büschen zu. Da die Flussseeschwalbe ihr Gelege im Bereich unbewachsener Kiesinseln direkt in eine Nistmulde auf den Kies setzt, fehlen ihr Brutplätze, wenn es zu keinen regelmäßigen Kiesumlagerungen mehr kommt.

 

Bestandsentwicklung und Vorkommen an der Isar

Im 19. Jahrhundert gab es noch schätzungsweise 1.000 Brutpaare der Flussseeschwalbe in Bayern. Ihr Bestand hat sich aufgrund des Verlusts an bewuchsfreien Kiesinseln bis 1980 auf nur noch 37 Brutpaare reduziert. Erst mit Einrichtung von künstlichen Brutflößen auf Seen und Weihern wie den Brutflößen am Starnberger See und Ammersee kam es seit den 1980er Jahren wieder zu einer Bestandserholung. Durch die Bestandserholung ist die Flussseeschwalbe heute zwar nicht mehr vom Aussterben bedroht, aber immer noch abhängig von Hilfsmaßnahmen. Die Erhaltung des Bestandes ist also nur durch besondere Maßnahmen des Naturschutzes (z.B. durch Einrichtung von Brutflößen) möglich.


An der Isar, im Bereich der Pupplinger Au, existiert noch ein dynamischer Flussabschnitt, der vegetationsfreie Kiesinseln und Umlagerungsstrecken aufweist. Auch hier hat aufgrund der eingeschränkten Flussdynamik die Flussseeschwalben-Population im 20. Jahrhundert deutlich abgenommen. Die letzte erfolgreiche Brut auf einer natürlichen Insel fand auf der sogenannten Kolonie-Insel in der Pupplinger Au 1982 statt. Danach waren Bruterfolge der Flussseeschwalben nur noch auf künstlichen Brutflößen nachweisbar. Im Jahr 2012 konnte dann ein erneuter Brutversuch der Flussseeschwalben auf einer Kiesinsel in der Pupplinger Au beobachtet werden. Leider fiel dieser einem Hochwasser zum Opfer. Eine Nachbrut wurde durch wochenlange hohe Wasserstände vereitelt.

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