Isar

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Die Isar – ein ganz besonderer Fluss 

Die Obere Isar und ihre Auen gehören zu den am besten erhaltenen und damit bedeutendsten Wildflusslandschaften Deutschlands. Besonders naturnah sind die Streckenabschnitte von der Quelle auf österreichischer Seite bis kurz vor Mittenwald sowie nördlich von Krün bis oberhalb des Sylvensteinspeichers. Hier finden sich seltene Arten, die andernorts längst verschwunden sind.


Warum die Isar so besonders ist

Die Isar und ihre Auenlandschaften sind ein ganz besonderes Fluss-Juwel. Grund hierfür sind die noch nicht zerstörten, naturnahen Lebensräume, die einer Vielzahl von vom Aussterben bedrohten oder gefährdeten Arten das Überleben sichern. Einige dieser Arten sind Pioniere, die auf eine intakte Abflussdynamik angewiesen sind. Durch die Wasserspiegelschwankungen und Änderungen des Abflusses werden im Fluss und in der Aue vorhandene Kiesbänke und Kiesinseln regelmäßig überspült, erodiert und an anderer Stelle wieder aufgeschottert. Zahlreiche Arten benötigen genau dieses Werden und Vergehen von Kiesflächen. Andere Arten sind an Lebensräume angepasst, die aufgrund ihres Wasserregimes, z.B. durch hoch anstehendes Grundwasser in Hangquellmooren ein besonders ausgeglichenes Mikroklima aufweisen. Auch diese Lebensräume existieren an der Isar noch an einigen Standorten.

 

Bild Fluss Isar

 
Die nach der Roten Liste Bayern vom Aussterben bedrohte Deutsche Tamariske (Myricaria germanica) ist eine Charakterart für Wildflüsse, die auf junge, vegetationsfreie, kiesig-sandige Böden angewiesen ist. Sie findet sich noch an den dynamischsten und wertvollsten Abschnitten der Isar. Die Obere Isar beherbergt in ganz Bayern die letzte selbst erhaltende Population des Huchens in einem kiesgeprägten Alpenfluss.

 
Auf den vegetationsfreien oder -armen und ungestörten Kiesinseln an der Isar brüten vom Aussterben bedrohte und gefährdete Vogelarten. Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo), ein sehr eleganter Flieger, legt normalerweise ein bis drei Eier in eine Nestmulde direkt auf den Kiesboden. Sie konnte in den letzten 30 Jahren nur durch speziell eingerichtete Brutflöße in Bayern gerettet werden. Einige Individuen einer früher größeren Population gibt es noch im Bereich der Pupplinger Au. Neben der Flussseeschwalbe sind der stark gefährdete Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und der gefährdete Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) noch an der Isar zu finden. 


Geht man etwas abseits des Flusses in die Aue, finden sich entlang der Isar zahlreiche wertvolle Pflanzengesellschaften, die sich auf Rohböden entwickelt haben. Neben Kalktrockenrasen und Kalkmagerrasen, die eine Vielzahl von gefährdeten Pflanzen wie Orchideen beheimaten, sind es vor allem artenreiche Schneeheide-Kiefernwälder, die große Bereiche der bewaldeten Aue einnehmen. Ein typischer Bewohner der Schneeheide-Kiefernwälder aus der Familie der Orchideen ist der Europäische Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Die Staude mit ihren großen, gelben Blüten ist ebenfalls selten geworden. Sie lockt jedes Jahr zur Blütezeit von Mai bis Juni zahlreiche Neugierige in die Auwälder an der Isar.

Bild Isar

Fakten zu Isar


Gesamtlänge:

292 km


Ursprung:

Die Isar entspringt im Karwendel-Gebirge im Hinterautal (Tirol).


Mündung:

in Donau bei Deggendorf


Höhendifferenz:

ca. 890 m (1200 m ü. NN - 310 m ü. NN)


Charakter:

Die Obere Isar gehört zu den am besten erhaltenen Wildflüssen Deutschlands. Besonders wertvoll ist der Abschnitt oberhalb des Sylvensteinspeichers. Durch zahlreiche Ausleitungen der Isar und ihrer Nebengewässer ist das natürliche Abflussregime erheblich gestört.


Besondere Arten:

Flussseeschwalbe, Flussuferläufer, Äsche, Huchen, Koppe, Schlingnatter, Kreuzotter, Gefleckte Schnarrschrecke, Kiesbankgrashüpfer, Deutsche Tamariske, Europäischer Frauenschuh

Die Isar und der menschliche Einfluss

Als „reißender“ Fluss ist die Isar schon früh in das Interesse der Wasser- und der Energiewirtschaft gerückt. Durch zahlreiche Ausleitungen der Isar und ihrer Nebengewässer vor allem für die Energiegewinnung, aber auch durch den Bau des Sylvensteinspeichers, der hauptsächlich dem Hochwasserschutz dient, wurde das natürliche Abflussregime der Isar empfindlich gestört. Beispielweise fällt der bei Vorderriß in die Isar mündende Rißbach (aufgrund seiner Ableitung zum Walchensee) an über 300 Tagen im Jahr komplett trocken und trägt dadurch nur noch temporär zur Abflussbildung der Isar bei. Die Folge: Wassermangel. Die geringen Restwassermengen der Isar schaffen es nur noch bei mittleren und seltenen Hochwasserereignissen Geschiebe, also Kies und sandige Substrate, in ausreichender Menge zu mobilisieren. Zudem unterbinden Stauanlagen den Feststofftransport, der ein wesentlicher Bestandteil der Wildfluss-Dynamik ist. Unterhalb der Stauanlagen fehlt das Geschiebe. Oberhalb der Stauanlagen gefährden die aufgeschotterten Kiesmassen die Siedlungen am Fluss.

 
Neben den wasserwirtschaftlichen Eingriffen werden die Isar und ihre Auen auch immer stärker zur Erholung genutzt. Leider ist der hohe Freizeitdruck auf die Isar kein Segen. Immer mehr Freizeitkapitäne mit ihren Booten und lautstark grölende Floßtouristen, immer mehr Biker, Camper und Badegäste lassen der Natur kaum mehr Raum. Empfindliche Lebensräume und Arten haben das Nachsehen, wenn Verbote im Natur- und Landschaftsschutzgebiet nicht beachtet werden.

 
Das Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften“ versucht mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsveranstaltungen die Bevölkerung und die Besucher an den Alpenflüssen über die Gefährdung der Lebensräume und Arten umfangreich aufzuklären, eine nachhaltige Nutzung der Flüsse und ihrer Auen zu entwickeln und damit den Erhalt der Biodiversität zu gewährleisten.

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