Kleinkunstwettbewerb

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Flusslieder und Gedichte zum Weltwassertag

Unter dem Motto „Am Fluss dahoam“ lud der WWF Deutschland im Rahmen des Hotspotprojekts „Alpenflusslandschaften“ zur kreativen Auseinandersetzung mit Fließgewässern ein. 27 Beiträge wurden zum Kleinkunstwettbewerb eingereicht, elf haben es ins Finale geschafft. Dieses fand am Weltwassertag (22. März 2021) statt – pandemiebedingt leider nur virtuell, aber dennoch lebendig und professionell moderiert von Bumillo. Das große Interesse an den künstlerischen Beiträgen hätte die Räumlichkeiten einer klassischen Kleinkunstbühne ohnehin gesprengt: weit über 400 Gäste hatten sich für die Veranstaltung registriert, rund 200 beteiligten sich von der heimatlichen Couch aus aktiv an der Bewertung der Beiträge. Das Publikum entschied zusammen mit den Jurymitgliedern Hans Well, Elena Hammerschmid und Philipp Scharrenberg über die Gewinner:innen des Abends, die sich völlig unterschiedlichen Aspekten von Gewässern und Heimat widmeten.

 

Der erste Preis ging an Bastian Mahler. Er erzählte die Geschichte der populären Eisbachsurfer in München. Die satirische Auseinandersetzung mit der Isar und ihrer Nutzung durch den Menschen hat Mahler mit der Stop-Motion-Technik kreativ illustriert. Dazu hat er seine Kunststoff-Figuren – mal in Tracht, mal in Surfer-Outfit – gekonnt an Originalschauplätzen an der Isar platziert. Den zweiten Preis erhielt Lisa Brenner mit ihrem tiefgründigen Gedicht „Meine, deine, unsere Heimat am Fluss“. Sie hält den Begriff „Heimat“ letztendlich für ein Konstrukt, das sich wandeln kann, das fließt. Für die gebürtige Landsbergerin gehört der Lech genauso zu ihrem Heimatsgefühl, wie der bayerische Dialekt oder das Haus ihrer Eltern. Und schließlich lässt sich der Begriff ihrer Meinung nach auch so definieren, dass er denjenigen Menschen eine Heimat bietet, die ihr Land verlassen mussten. Der dritte Preis ging an die Gruppe „Hearamoi“ mit ihrem Lied „Isargluad“. Für die vier Herren und die Sängerin Ulrike Mayer aus dem Großraum München ist die Isar zum zweiten Wohnzimmer geworden. Sie wünschen sich, dass die Menschen die Schönheit der Isar erkennen und sie erhalten wollen. Die Preisgelder wurden vom Landkreis Weilheim-Schongau gestiftet. „Dass sich so viele Menschen aktiv am Wettbewerb beteiligt und mit dem Thema auseinandergesetzt haben, zeigt dessen Bedeutung für unser aller Leben“, so Landratsamtsvertreter Hubert Wagner. „Ich schöpfe daraus die Zuversicht, dass ein breites gesellschaftliches Bewusstsein für die Belange unserer Gewässerlandschaften vorhanden ist."

 

Schirmherrin des WWF-Kleinkunstwettbewerbs ist Prinzessin Auguste von Bayern. Als Botschafterin des Bayerischen Umweltministeriums für die Bewahrung des europäischen Naturerbes im Freistaat bedauerte sie in ihrem Grußwort den Verlust der Artenvielfalt und betonte die Notwendigkeit, unsere Fließgewässer künftig besser zu schützen. Die Biologin engagiert sich nicht nur für den Erhalt der natürlichen Vielfalt, sondern auch für ein neues Naturkundemuseum in München, BIOTOPIA. Während das in Entstehung befindliche Museum die Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Umwelt erforschen und hinterfragen will, hat der Wettbewerb Menschen dazu angeregt, ihren individuellen Verbindungen zu Flüssen nachzuspüren und diese künstlerisch auszudrücken. BIOTOPIA und der WWF Deutschland verfolgen also ähnliche Ansätze: Sie wollen die Menschen zu einer aktiven Teilnahme und zum Dialog motivieren. Denn: Wer sich eigene Bezüge zur Natur erschließt, ist vermutlich eher dazu bereit, Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen. Getragen von diesem gemeinsamen Geist entstand eine Kooperation der beiden Organisationen beim Wettbewerbsfinale: Prof. Gorman, Gründungsdirektor von BIOTOPIA, vergab einen Sonderpreis des Museums an die Musik-Kabarettgruppe „Zum Blauen Veilchen“. Monica Calla, Sybille Engels und Jank Jankovic besingen in ihrem Lied „Baden geh’n“ die akuten Gefahren für Bayerns Bäche, Flüsse und Seen durch Nährstoff- und Pestizideinträge. Sie empören sich über Lobbyismus und Dickfelligkeit der Pestizidhersteller gegenüber Insektensterben und Artenvielfaltsverlust. Gorman zeigte sich begeistert von der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen und lud die Gruppe dazu ein, an einem „Biotopia Lab“ teilzunehmen und dabei auch mit Gewässerökologen zu diskutieren.

 

Mit dem Wettbewerbsfinale ging das Projekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ zu Ende. „Der kreative Abend war ein schöner Schlusspunkt des Projekts“, so Sigrun Lange vom WWF Deutschland. „Wir dürfen Naturschutzkrisen, wie den dramatisch schlechten ökologischen Zustand unserer Flüsse, nicht allein mit alarmierenden Fakten begegnen. Es gilt, Menschen mit Humor und Kreativität für die Naturschätze zu begeistern. Das ist den Künstler:innen an diesem Abend bestens gelungen!“

 



Reinhard Probst, der Isarnix, besingt die Isar im Sommer. Er wohnt in den Isarauen und liebt die Magie und Kraft des Flusses.
Christoph Mayer und seine Band lassen sich gedanklich an der Isar treiben. Der Fluss ist für Herrn Mayer das zweite Wohnzimmer.
Toni Knittl wandert musikalisch „Am Lech entlang“. Mit seinen Liedern hat er einst den Tiroler Lech vor dem Verbau gerettet.
Das Lied von Miriam Ströher erzählt die Geschichte von einem Fluss, der davon träumt, endlich im Meer anzukommen.
Simon Kreuzpointner sieht den Fluss als Ruhepol. Ihn stört, dass Vieles immer mehr an Effizienz und Produktivität ausgerichtet wird.
Die Poetry-Slammerin Melli Koss präsentiert ihr „Wasserschutzgebet“: Ohne Waser wären wir nicht hier und für die Bayern gäb´s kein Bier!
Der Wortkünstler Bastian Mahler thematisiert die Eisbach-Surfer und wirft damit einen Blick auf die Geschichte der Isar.
Lisa Brenner präsentiert ihre Gedanken zum Lech, der für sie zum Heimatgefühl dazugehört und auf dem Zukunftsträume schwimmen.
Das Musikkabarett „Zum Blauen Veilchen“ sorgt sich um den Nährstoff- und Pestizid-Eintrag in die bayerischen Bäche, Flüsse und Seen.
Zur „Ode an die Salzach“ wurde Beate Bratfisch inspiriert, als sie im Museum alte Fotos vom einst natürlichen Flusslauf der Salzach sah.
Aus Liebe zu ihrem Heimatfluss haben Günther Groß & Co ein Orchesterstück zum Lech komponiert. Die Musik wird mit Bildern hinterlegt.
 

Unsere Jurymitglieder

Volksmusiker Hand Well

Hans Well, Bayerischer Musiker: Ich bin begeistert von dem Wettbewerb da ich schon als Kind nichts lieber tat, als am Wasser zu spielen. Fluss war´s keiner, eher ein kleiner Bach. Ich freute mich aber jeden Morgen schon auf das Beobachten von Feuersalamandern, Fröschen, Forellen und Krebse. Während der Flurbereinigung wurde der Bach unterirdisch verrohrt.

 

Slammerin Elena Hammerschmid

Elena Hammerschmid, Bayerische Meisterin (U20) im Poetry Slam 2017: "Am Fluss dahoam“, das kann ich wahrlich von mir behaupten. Ich lebe nun seit fast 17 Jahren in einem kleinen Dorf in der Nähe von Regensburg, keine 400 Meter weit weg von der Donau entfernt. Seit ich denken kann, gehört die Donau zu meinem Leben wie das Amen in unserer Dorfkirche und das meine ich sowohl aus positiver als auch negativer Perspektive. Als 2013 die „Jahrhundertflut“ in Bayern ganze Städte und Dörfer unter Wasser setzte und unzählige Menschen ihr Zuhause verloren, habe ich zum ersten Mal gemerkt, welche Urgewalt dieser reißende Strom neben meiner Haustür eigentlich in sich birgt. Seit diesem Jahr jedoch ist mir mehr und mehr bewusstgeworden, wie klein und schutzlos wir Menschen oftmals der Macht der Natur ausgeliefert sind. Auf der anderen Seite ist dieser Fluss aber auch einer der schönsten Orte, die ich mir vorstellen kann. Als Kind in der Donau baden, im Gras am Ufer liegen, Musik hören, die Füße ins kalte Wasser halten - ich verbinde unglaublich viele Erinnerungen mit dem Thema Fluss. Den Kleinkunstwettbewerb sehe ich vor allem als Möglichkeit und große Chance, um Ideen und Meinungen auszutauschen, zu erfahren, was junge Leute denken, welche Ideen sie haben und was für sie „Am Fluss dahoam“ bedeutet.

 

Philipp Scharrenberg
Kleinkünstler Philipp Scharrenberg

Philipp Scharrenberg, deutscher Meister im Poetry Slam 2016: Bühnenkünstler hergehört: Die Wildflusswelt ist schwer gestört! Meint Trump, dass es beim Klimawandel, sich um Quatsch aus China handel’. Schützen wir als Schreibarbeiter, uns’re Umwelt einfach weiter. Also werd ein Outdoor-Autor, schreib ’nen Song, trag Texte laut vor. Kabarette, slamme derb (um Flüsse geht ’s, drum Wet(t)bewerb …). Als Künstler weiß man ja vom Schreiben, wie es rockt, im Fluss zu bleiben.

 

Alpenflüsse
Moderator Bumillo

Die von der Jury ausgewählten Wettbewerbsbeiträge wurden am 22. März 2021 virtuell präsentiert. Wir freuen uns darüber, dass die Veranstaltung auch diesmal wieder von Bumillo moderiert wurde!

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