Linder & Ammer

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Die Ammer – wild und frei

Die Ammer und ihr Oberlauf (die Linder) machen ihren Namen als Wildflüsse noch alle Ehre. Sie fließen auf einer Länge von ca. 80 Kilometern von der Quelle im Ammergebirge bis in den Ammersee bei Fischen. Unterhalb des Ammersees wird aus der Ammer die Amper, die bei Moosburg in die Isar mündet.

 
Die Ammer ist so artenreich wie kaum eine andere Wildflusslandschaft in den deutschen Alpen. Kein Speicher, kein Großkraftwerk bremst ihren Lauf. Und doch: Insbesondere Verbauungen und Landbewirtschaftung haben der Ammer zugesetzt. Zu allem Überfluss tauchen bei Diskussionen um erneuerbare Energien immer wieder Ideen zur energetischen Nutzung des Flusses auf.

 

Was das Ammergebiet so schützenswert macht

Das Ammertal mit seinem Wildfluss und den angrenzenden Schluchtwäldern, Mooren und Streuwiesen ist in Bayern einmalig. Die Ammer besitzt über weite Strecken eine sehr hohe Wertigkeit für die Natur, wie in zahlreichen Fachpublikationen und amtlichen Daten sowie Unterschutzstellungen dokumentiert ist. Ihre Ablaufdynamik und ihr für Wildflüsse charakteristisches Geschiebe von Sedimenten, das Flussinseln mit Kies- und Schotterbänken bildet, sind eingeschränkt, aber weitgehend intakt. Wie viel Kraft in diesem Wildfluss steckt und was stete Energie über Jahrtausende bewirkt, zeigt ihre 30 Kilometer lange Schlucht, die längste canyonartige Durchbruchsstrecke Deutschlands.

 
Für die Tierwelt ist dies ein Segen: Beispielsweise finden fast alle deutschen Spechtarten in den totholzreichen Schluchtwäldern ihren Lebensraum. Auch der Uhu, der in Felsen brütet, und der Flussuferläufer sind in der Ammerschlucht zu Hause. Der Flussuferläufer legt seine Eier auf den Kiesbänken ab, die durch Hochwasser immer wieder neu geformt werden. Auf den blanken Kiesflächen des Ammeroberlaufs leben seltene Heuschrecken wie die Gefleckte Schnarrschrecke und der Kiesbankgrashüpfer. Das sind unauffällige, vielleicht unspektakuläre Arten. Ihre Anwesenheit aber signalisiert: hier ist die Natur intakt und wild – auch unter Wasser, wo 30 Fischarten leben, darunter gefährdete Arten wie Bachforelle, Äsche, Koppe und Huchen. Aufgrund der Durchgängigkeit der Ammer sind auch die Voraussetzung für die Seeforelle, einem Wanderfisch, der zum Laichen aus dem Ammersee in die Zuflüsse schwimmt, günstig.

 

Hochwasserschutz

Aus Gründen des Hochwasserschutzes wurde jedoch auch die Ammer begradigt und eingedeicht. Natürlicherweise überschwemmen Hochwasser flussnahe Uferbereiche und verändern das Flussbett. Bei begradigten Flüssen ist das nicht möglich. Die Strömung trägt Kies und Schotter, Baumbewuchs, Totholz sowie die darauf angewiesenen Tiere und Pflanzen einfach davon. Eine fehlgeleitete Siedlungspolitik und eine bis heute ungebremste Bautätigkeit, gerade auch in ehemalige Flussauen und Überschwemmungsgebiete hinein, haben insbesondere entlang der unteren Ammer außerhalb des Schluchtabschnitts zu beiden des Flusses bis in die jüngste Vergangenheit in erheblichem Umfang zum Verlust von Auelandschaften und wichtigen Retentionsräumen geführt.

 

Maßnahmen zur Hochwasserfreilegung, Eindeichungen und Begradigungen sind zwar zum Schutz unserer Siedlungen und Infrastruktur notwendig, gefährden aber all jene Arten, die eine natürliche Dynamik zum Überleben brauchen. Ein typisches Beispiel ist die Deutsche Tamariske, die sich auf Kiesbänken ansiedelt und als Zeigerart für intakte Wildflüsse gilt. An der Ammer ist die Tamariske seit mehreren Jahrzehnten selten geworden – ein Zeichen dafür, dass ihre natürliche Dynamik Schaden genommen hat. Im Übrigen: Die partielle Eindeichung der Ammer hat sie von ihren Auen getrennt. Damit werden Hochwasserereignisse nicht mehr von den Auen entschärft. Außerdem gehen durch die Eindeichung wertvoller Lebensraum in der Aue und wichtige Retentionsflächen zur Hochwasserrückhaltung verloren.

Bild Ammer

Fakten zu Ammer & Linder

 
Gesamtlänge:

ca. 82 km


Ursprung:

Die Linder entspringt im Ammergebirge. In der Nähe von Ettal wird daraus die Ammer. Das Einzugsgebiet umfasst ca. 600 km2.


Mündung:

Ammersee bei Fischen


Höhendifferenz:

ca. 565 m (1100 – 535 m.ü.NN)


Charakter:

Halbwegs intakter Alpenfluss ohne Staustufen; besonders wertvolle Streckenabschnitte sind die Linder oberhalb von Graswang, die Ammerschlucht und das Mündungsdelta am Ammersee; in den Ortsbereichen von Ober- und Unterammergau sowie zwischen Peißenberg und der Mündung in den Ammersee wurde der Fluss begradigt

 

Besondere Arten:

30 Fischarten (darunter Bachforelle, Äsche, Koppe und Huchen), Flussuferläufer, Eisvogel, Uhu, fast alle deutschen Spechtarten, Gefleckte Schnarrschrecke, Kiesbankgrashüpfer und Deutsche Tamariske

Wasserkraft und Landwirtschaft

Zwar konnten sich Ideen für neue Wasserkraftwerke an der Ammer bisher nicht durchsetzen, aber alte Wehranlagen stellen sich dem Flusslauf entgegen. Mehr noch: Sie verhindern, dass Fische und viele andere kleine Wassertiere die Ammer hochwandern, um ihre Laichplätze im Oberlauf zu erreichen. Zudem fehlt der Landwirtschaft entlang der Ammer vielerorts ein Pufferstreifen. Er fängt Dünger, Pestizide und feine Bodenpartikel ab, die bei Starkregen von den Feldern gelöst werden und die Wasserqualität belasten. Darüber hinaus braucht der Fluss Raum für natürliche Prozesse wie etwa Uferabbrüche, in denen Tiere und Pflanzen siedeln.

 

Tourismus und Freizeit am Fluss

Nicht alle, die Erholung oder eine sportliche Kulisse suchen, gehen mit der Natur so rücksichtsvoll um, wie es nötig wäre. Vögel beispielsweise sind während der Brutzeit ausgesprochen störungsempfindlich. Um die Brut des Flussuferläufers zu schützen gilt für Kajakfahrer zwischen Kammerl und Böbinger Brücke ein Betretungsverbot für Ufer und Kiesinseln. Die beliebten und eindrucksvollen Schleierfälle sind inzwischen so sehr geschädigt, dass sie nicht betreten werden dürfen, um das Naturdenkmal langfristig zu erhalten.

 

An einem Strang ziehen

Um den wilden Charakter der Ammer mit ihren Arten und natürlichen Lebensräumen zu erhalten, müssen wir alle an einem Strang ziehen – egal ob Kajakfahrer, Wanderer, Kommunalpolitiker oder Vertreter des Wasserwirtschaftsamts. Unsere Vision ist es, die Ammer als Referenzfluss für nordalpine Wildflüsse frei von der Wasserkraftnutzung zu halten und die Flussdynamik wo möglich wiederherzustellen.

Ammer-Video von Werner Schubert

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