Loisbach

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Die Loisach – ein Fluss mit zwei Gesichtern

Die in der Gemeinde Biberwier in Tirol entspringende Loisach besitzt noch über weite Strecken aus naturschutzfachlicher Sicht wertvolle Abschnitte. Vor allem der Oberlauf (mit Ausnahme des Talbeckens von Leermoos) sowie die Strecke im Bereich der Loisach-Kochelsee-Moore sind aus naturschutzfachlicher Sicht sehr bedeutsam. Im Mittel- und Unterlauf (kurz vor der Einmündung in den Kochelsee bis zur Mündung in die Isar) stören zahlreiche Uferverbauungen die natürliche Vernetzung zwischen Gewässer und Aue.

 
Warum die Loisach Schutz benötigt

Viele Abschnitte im Oberlauf der Loisach weisen noch eine natürliche Abflussdynamik auf. Hier werden flach wurzelnde Bäume am Ufer unterspült und stürzen als Totholz in den Fluss. Sie bilden wichtige Einstände für Jungfische. Die Umlagerung von Geschiebe durch Abflussschwankungen ist im Oberlauf ebenfalls ungestört. Die Erosion von Kiesinseln und seitlicher Prallhänge sowie die Aufschotterung neuer Kiesflächen bieten zahlreichen, gefährdeten Pionierpflanzen und seltenen Kiesbrütern noch intakte Lebensräume. Im Mittellauf im Bereich der Loisach-Kochelsee-Moore und des Murnauer Mooses ist vor allem die Nähe und funktionale Verflechtung zwischen den Moorkomplexen und den angrenzenden Auen naturschutzfachlich von großer Bedeutung.


Die im Oberlauf noch intakte Abflussdynamik fördert Pionierarten, die auf eine natürliche Abflussdynamik angewiesen sind. Durch die Wasserspiegelschwankungen und Änderungen des Abflusses werden vorhandene Kiesflächen immer wieder erodiert und neue Kiesflächen an anderer Stelle aufgeschottert. Zum Beispiel kommt die vom Aussterben bedrohte Deutsche Tamariske (Myricaria germanica) an der Loisach vor, eine Charakterart für Wildflüsse. Neben der Tamariske sind auch verschiedene gefährdete Vogelarten an der Loisach heimisch. So besiedeln Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) vegetationsarme Kiesinseln. Sie sind ebenso wir die Tamariske auf eine natürliche Flussdynamik angewiesen. In der Übergangszone zwischen den Moorkomplexen und der Loisach kommen Bekassine (Gallinago gallinago), Großer Brachvogel (Numenius arquata), Kreuzotter (Vipera berus) und Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) vor. Als typischer Bewohner der Schneeheide-Kiefernwälder ist vereinzelt noch der Europäische Frauenschuh (Cypripedium calceolus) zu finden.

Bild Loisach

Fakten zu Loisach


Gesamtlänge:

ca. 113 km


Ursprung:

Die Quelle der Losiach liegt in der Gemeinde Biberwier in Tirol.


Mündung:

in die Isar bei Wolfratshausen


Höhendifferenz:

ca. 495 m (1060 m ü. NN - 565 m ü. NN)


Charakter:

Die Loisach besitzt noch über weite Strecken wertvolle Abschnitte. Vor allem der Oberlauf sowie die Strecke im Bereich der Loisach-Kochelsee-Moore sind aus naturschutzfachlicher Sicht sehr bedeutsam. Im Mittel- und Unterlauf stören zahlreiche Uferverbauungen die natürliche Vernetzung zwischen Gewässer und Aue.


Besondere Arten:

Bekassine, Großer Brachvogel, Kreuzotter, Äsche, Huchen, Skabiosen-Scheckenfalter, Alpen-Knorpellattich, Deutsche Tamariske, Europäischer Frauenschuh

Die Loisach und der menschliche Einfluss

Durch starke Verbauungen hat die Loisach vor allem in Mittel- und Unterlauf ihren Wildflusscharakter verloren. Fehlendes Geschiebe, Ufersicherungen und abgeschnittene Altwasserschlingen sind Ergebnis des wasserwirtschaftlichen Ausbaus im Rahmen der energetischen Nutzung. Durch die Wasserkraftnutzung ist an den Wehren der Loisach die biologische Durchgängigkeit nicht mehr vorhanden und müsste zur Verbesserung des biologischen Zustands wiederhergestellt werden. Trotz des hohen Schutzstatus (FFH-Gebiet Murnauer Moos) ist im Bereich von Großweil eine neue Wasserkraftanlage an der Loisach in Planung.


Oberhalb von Garmisch-Partenkirchen und zwischen Achrain und Gstaig befinden sich besonders wertvolle Abschnitte, die durch Badenutzung und Kajakfahren gefährdet sind. Auch hier versucht das Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften“ mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung und die Besucher über die Gefährdung der Lebensräume und Arten umfangreich aufzuklären, eine nachhaltige Nutzung der Flüsse und ihrer Auen zu entwickeln und damit den Erhalt der Biodiversität zu gewährleisten.

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