Ammergemeinden bandeln an


Mit einem hundert Meter langen Kunstwerk feierten Ammergemeinden am 1. Juli 2017 im Rahmen eines Festaktes an der Stadthalle in Weilheim die Einzigartigkeit ihres Wildflusses. Sie knüpften ein „Blaues Band“, das sich aus 18 Stoffbahnen zusammensetzte. Diese wurden zuvor von 250 Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit der Künstlerin Andrea Kreipe kreativ gestaltet. Es symbolisiert den Lauf der Ammer, so wie sie von den Anwohnern erlebt und wahrgenommen wird. Bei dem Festakt kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Bürgermeister und Landräte von Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau am Ammerufer zusammen, um die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit für eine naturnahe Ammerlandschaft zu demonstrieren: Sie verknüpften die einzelnen Abschnitte zu einem Großkunstwerk von hundert Meter Länge.

Unser Ziel ist es, Menschen aus unterschiedlichsten Gruppen als Freunde der Ammer und ihrer Zuflüsse zu gewinnen“, berichtet Matthias Luy, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberbayern des LBV. Seit 1999 ist Luy einer von vier Koordinatoren der Ammer-Allianz. „Mein langjähriges Engagement für die nachhaltige Entwicklung der Ammer und ihrer Auen führte mir vor Augen, dass die Ammer bei der großen Mehrheit der Bewohner nicht die Wertschätzung bekommt, die sie verdient.“ Daraus entstand der Wunsch, die Bürger im Rahmen des Kunstprojekts „Das Blaue Band – Die Ammergemeinden bandeln an“ zusammenzuführen.

Wie wichtig es ist, die Bevölkerung für die letzten Wildflüsse Deutschlands zu gewinnen, betont auch der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. „Während viele Flüsse aufgestaut, kanalisiert und ihrer natürlichen Dynamik beraubt wurden, hat die Ammer in einigen Abschnitten ihren Wildflusscharakter bewahrt. Sie hat damit eine extrem wichtige Funktion im Biotopverbund und beheimatet wertvolle Lebensraumtypen sowie gefährdete oder sogar vom Aussterben bedrohte Arten, wie zum Beispiel Flussuferläufer, Huchen und Karlszepter.“ Dem stimmt auch die Weilheimer Landrätin Andrea Jochner-Weiß voll zu: „Die Ammer ist so artenreich wie kaum eine andere Wildflusslandschaft im Nordalpenraum. Die Ammer muss frei fließen, damit diese Vielfalt erhalten bleibt.“

 

Das Großkunstprojekt des Landesbundes für Vogelschutz öffnet den teilnehmenden Bürgern die Augen für ein ökologisches Juwel vor der eigenen Haustür. Naturschutzprojekte können“, so Luy, „nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen vor Ort mitgenommen und begeistert werden.“ Vom Kunst- und Kulturverein Bad Bayersoien über das Gymnasium Ettal bis zur Wasserwacht Weilheim: 19 Vereine, Gruppierungen und Schulklassen haben sich in den vergangenen eineinhalb Jahren eingehend mit der Ammer befasst. Schon bei den ersten Flussexkursionen sprang der Funke für dieses Großprojekt auf die Bevölkerung über: „Die LBV-Führung machte allen Teilnehmern so viel Spaß, dass aus den geplanten zwei Stunden fast fünf Stunden wurden“, berichtet Uwe Reineke vom Kunst- und Kulturverein Bad Bayersoien. Auch die Böbinger Landfrauen sehen ihren Fluss jetzt mit anderen Augen: „Uns war nicht bewusst, wie ursprünglich unsere Ammer und der angrenzende Auwald noch sind. Das ist ein richtiger „Urwald“, den wir unbedingt schützen müssen!“ Das gemeinschaftliche Engagement für die Ammer freut Landrat Anton Speer: "Die Ammer ist einer der letzten Wildflüsse Deutschlands und diese wunderschöne naturbelassene Flusslandschaft gilt es zu erhalten. Gerade dort wo Platz für die natürliche Entwicklung der Ammer besteht, sollte man den Fluss gewähren lassen."

Nach den Exkursionen begann der kreative Prozess. Die Künstlerin Andrea Kreipe, die selbst in Böbing an der Ammerleite lebt, begleitete das Projekt über eineinhalb Jahre. „Meine Grundidee für die Gestaltung des Blauen Bandes war, die Menschen für den Fluss zu sensibilisieren, sie zu befähigen den Wert dieser Ur-Landschaft zu erfassen und zu bewahren.“ Die Künstlerin verwendete Stoffbahnen in unterschiedlichen Blautönen – die von der Quelle bis zur Mündung immer dunkler und breiter werden, um die zunehmende Wasserfülle darzustellen. In der kreativen Umsetzung versuchte sie die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit einfachen Mitteln wie Schablonen, Kartoffeldruck sowie durch das Anbringen mitgebrachter Fundstücke auf dem Wege der sinnlichen Wahrnehmung an den Wildfluss heranzuführen. „Alle Teilnehmer haben mit viel Begeisterung und Energie ihr Bild gemeinsam gestaltet. Mich hat sehr berührt, dies in jeder Gruppe erfahren zu dürfen", resümiert Andrea Kreipe. Zur Vollendung kam das Kunstprojekt während des Festaktes am vergangenen Samstag: Mit einer Webtechnik wurden die Teilstücke miteinander verwoben.

 

Ein hundert Meter langes Kunstwerk zu Ehren der Ammer – Projektleiter Matthias Luy ist von dem Ergebnis des Bürgerkunstprojektes begeistert: „Die Naturerlebnisse mit unseren Umweltpädagogen und die beeindruckende Gestaltung des Blauen Bandes mit der Künstlerin Andrea Kreipe haben bei vielen Teilnehmern Auge und Herz geöffnet für die Schätze am Fluss.“ Nun gilt es, das neu gewonnene Interesse in der Bevölkerung weiter auszubauen. Das Projekt wird fortgesetzt mit einer Fachtagung am 23. November 2017 und jährlichen Runden Tischen zur Ammerentwicklung. Hier werden konkrete Vorschläge für eine nachhaltige Entwicklung des Ammerraums von führenden Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Bereiche der Öffentlichkeit vorgestellt.


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