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Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Artenvielfalt: Landwirte und Naturschützer im Dialog


Zum dritten Mal trafen sich am 12. Februar 2019 Landwirte und Naturschützer im Rahmen des Hotspotprojektes "Alpenflusslandschaften - Vielfalt leben vom Ammersee bis Zugspitze“, um über die Möglichkeiten der Förderung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft zu diskutieren. In der heißen Phase des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ war dieses Thema aktueller denn je.

 

Knapp 60 junge Landwirte und Landwirtinnen, die gerade am Grundkurs im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching teilnahmen, erkundeten mit den Vertretern des BUND Naturschutz (BN) Axel Schreiner, Dr. Helene Falk, Margret Hütt und des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) Christian Niederbichler, das Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Ammersee-Süd am Südufer des Ammersees. Der RAMSAR-Gebietsbetreuer Christian Niederbichler hatte Exemplare der Vögel Bekassine, großer Brachvogel und Kolbenente mitgebracht, um anschaulich zu machen, welchen Tieren die  Pflegemaßnahmen, die er anschließend erläuterte, zu Gute kommen. Auf dem Weg zum Südende des Ammersees kam man gleich ins Gespräch. Fachkundige Diskussionen zu Förderungen bei der Bewirtschaftung, zur Art der Pflege, zur Situation der Landwirte, ihrem finanziellen Druck, und zu den Auswirkungen des Volksbegehrens, wurden in den folgenden zwei Stunden sachkundig, leidenschaftlich, aber überaus konstruktiv diskutiert.

 

Das Artensterben und die Forderungen des Volksbegehrens war auch Thema der anschließenden Diskussionsrunde, die im Naturschutz- und Jugendzentrum des BUND Naturschutz in Wartaweil stattfand. Mit großem Fachwissen und durch ihre zugewandte Art schaffte es Dr. Helene Falk die Diskussionsrunde sehr informativ und konstruktiv zu gestalten.

 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen, das von Familie Drexl (Kreisobmann des BBV Landsberg) zubereitet und geliefert wurde, erläuterte Philipp Bozem, der neue Koordinator der Wildlebensraumberatung an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), seine Aufgaben und welche Förderprogramme es gibt. Derzeit unterstützen sieben Wildlebensraumberater, in jedem Regierungsbezirk in Bayern, Landwirte bei der Schaffung neuer Lebensräume für Wildtiere, wie Hase, Rebhuhn, Wildbienen u.a. durch Beratungen zu Fördermaßnahmen wie dem Kulturlandschaftsprogramm, Greening- Maßnahmen etc. Das Interesse der bayerischen Landwirte an dieser Beratung ist so groß, dass zu hoffen ist, dass die Pläne, mehr Stellen für Berater zu schaffen, umgesetzt werden, um der Nachfrage gerecht zu werden.

 

Im Anschluss an den Vortrag boten vier Tischgespräche die Möglichkeit, sich in kleineren Gruppen intensiv über Erfahrungen, Wünsche und Probleme auszutauschen. Wolfgang Hug, der Leiter des Hotspotprojektes „Alpenflusslandschaften“, diskutierte mit den jungen Landwirten und Landwirtinnen die Möglichkeiten von Flussaufweitungen. Alte Seitenarme der Flüsse wieder zu aktivieren, ist eine essentielle Maßnahme zur Schaffung von gewässernahen Lebensräumen, die in unserer ausgeräumten Landschaft sehr selten geworden sind.  Oft jedoch scheitert diese Maßnahme an der Bereitstellung der dafür benötigten Fläche. Nach anfänglichen großen Bedenken, konnten sich die jungen Landwirte zunehmend für diese Maßnahme begeistern, wie sie selbst bei ihrer Darstellung ihres Thementisches berichteten. An dem Tisch von Philipp Bozem vertiefte man die Erfahrungen und Möglichkeiten, die die Wildlebensraumberatung bietet, welche wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen die Landwirte brauchen um naturschutzfachlich wirtschaften zu können.

 

Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit des/ der Konsument*in, insbesondere bei dem Themen Tierschutz, Natur- und Umweltschutz und Pflanzenschutz macht den jungen Landwirten und Landwirtinnen sehr zu schaffen. Axel Schreiner war es ein Anliegen mit den jungen Leuten zu überlegen, wie sie ihre Kunden über Produktionsbedingungen informieren und ihre Anliegen in der Öffentlichkeit positiv vermitteln können. Engagiert überlegten sich die jungen Leute, ob aktive Aufklärung, Hofläden und das Anlegen von Blühwiesen entsprechende Maßnahmen dazu sein könnten.

Ein ähnliches Anliegen hatte auch Margret Hütt. An ihrem Tisch überlegte man sich, wie man die Entfremdung von Verbrauchern und Landwirten, als Erzeuger der Lebensmittel, überwinden könnte. Ein Vertrauensverhältnis herzustellen wäre die Grundlage, dass die Konsumenten wieder bereit sind den wahren Wert der Lebensmittel zu bezahlen. Die Landwirte beklagten, dass der enorme Arbeitsdruck eine Umstellung auf neue Vermarktungsstrategien erschwere. Es wurde intensiv überlegt, ob nicht Automaten für Eier, Milch, Käse etc. ein Anfang wären, in die eigene Vermarktung einzusteigen. Auch für die Idee, Umweltbildung auf dem Bauernhof anzubieten, konnten sich einige Teilnehmer begeistern.

 

Im Laufe des Tages verschwand der Argwohn, der durch die kontroverse Auffassung über das Volksbegehren entstanden war. Alle erkannten welche Chance der Dialog mit anderen Interessengruppen bietet. Perspektivwechsel und die Offenheit für die Probleme anderer sind der Schlüssel, um neue Wege und Möglichkeiten zu finden, die wir dringend brauchen um die Probleme, wie Artensterben, Klimawandel und Belastung der Produktionsfaktoren in den Griff zu bekommen.

 

Einig war man sich, dass es Aufgabe der Politik ist, die Kosten für eine nachhaltige Bewirtschaftung, die gesunde, hochwertige Lebensmittel erzeugt und den Boden und das Wasser schützt, gleichmäßig auf alle Bevölkerungsgruppen zu verteilen und sie nicht nur den Landwirten aufzuladen.


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