Neuigkeiten

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Auf der Suche nach Tamariske und Co


Deutsche Tamariske, Uferreitgras, Zwergrohrkolben und Sklavenameise- ihnen gemeinsam ist ihre spezielle Anpassung an die Lebensbedingungen an den Alpenflüssen und leider auch ihr hoher Gefährdungsgrad. Wie viele von ihnen gibt es denn eigentlich noch im Hotspot-Gebiet? Wie ist es um sie bestellt? Und wie kann diesen Arten geholfen werden? Um diese Fragen zu beantworten, machte sich diesen Sommer ein Team von Wissenschaftlern der TU München, FH Erfurt und Universität Hannover im Auftrag des WWF auf die Suche nach Tamariske und Co.

 

Kilometer für Kilometer wurden an Ammer, Isar, Lech, Loisach und ihren Zuflüssen die Kies-und Sandbänke abgegangen, lückige Weidengebüsche durchforstet und so die Bestandsgrößen der Zielarten ermittelt. Den Forschern bot sich besonders für das Uferreitgras ein überraschendes Bild: die Art kommt noch an allen großen Flüssen vor und an Lech, Ammer und Isar sogar abschnittsweise in sehr großen Beständen. Deutlich erkennbar ist jedoch der Einfluss der großen Staustufen, wie Forggensee und Sylvensteinspeicher: während das Uferreitgras oberhalb noch sehr häufig ist, findet sich unterhalb deutlich weniger. Von den Tamarisken konnten insgesamt rund 25.000 Pflanzen im Hotspotgebiet gefunden werden, die meisten an der Isar nördlich von Mittenwald und in den naturnahen Umlagerungsbereichen zwischen Wallgau und Vorderriss sowie in der Ascholdinger Au. Hieran kann man erkennen, wie wichtig der Erhalt und die Entwicklung naturnaher Flussabschnitte für das Überleben dieser charakteristischen Pflanze sind. Trauriger sieht es für den Zwergrohrkolben aus. Wie die Literaturstudien im Vorfeld der Suche schon vermuten ließen, ist der Zwergrohrkolben in Deutschland weiterhin verschollen.

 

Besonders schwierig gestaltete sich die Suche nach der Sklavenameise (Formica selysi). Sie kommt mit zwei weiteren nahverwandten Ameisenarten gemeinsam vor und kann von diesen nur unter dem Mikroskop unterschieden werden. Ihre Verbreitung war demzufolge wenig untersucht, sodass die Ergebnisse der Studie wichtige neue Erkenntnisse zum Vorkommen der Art liefern. Das gefundene Verbreitungsmuster gibt den Wissenschaftlern jedoch noch Rätsel auf. Mit dem aktuellen Stand der Auswertungen konnte noch kein Zusammenhang zwischen den Lebensraumstrukturen und dem Vorkommen der Sklavenameise gefunden werden.

 

Nun gilt es noch zu analysieren, welche Maßnahmen zur Förderung der Arten in Anbetracht dieser Ergebnisse notwendig und sinnvoll sind. Denn trotz der positiven Bestandsentwicklung an einigen Flussabschnitten, bleiben die Arten in ihrem Fortbestand im Alpenraum bedroht. Die Ergebnisse der Potentialstudie zur Wiederansiedlung der vier Wildflussarten werden Ende Februar 2018 auf einem Workshop in Freising-Weihenstephan vorgestellt.

 

Interessenten können sich gern anmelden oder weiter informieren unter: romy.harzer@tum.de oder Tel.: 08161 714141.

Kartierung der Deutschen Tamariske entlang der Isar (© Romy Harzer)


Zurück

TOP