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Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Bootsaktion am Sylvensteinspeicher


Mit einer dynamischen Bootsaktion am Sylvensteinspeicher beteiligten sich etwa 40 Vertreter von WWF Deutschland, Bayerischem Kanuverband und den Naturfreunden Wolfratshausen am europäischen Flussbadetag. Gemeinsam warben sie für eine lebendige Isar und den Erhalt der Wasserrahmenrichtlinie (abgekürzt als "WRRL"). Denn auch die Isar wurde bereits stark verändert. Zwischen dem Sylvensteinspeicher und Bad Tölz ist ihr ökologischer Zustand unbefriedigend. Das muss sich ändern! Hier geht´s zu einem Video-Clip der Bootsaktion.

 

"Die Wasserrahmenrichtlinie ist ein unverzichtbares Instrument dafür, die Sünden der Vergangenheit an unseren Gewässern so weit wie möglich rückgängig zu machen und durchgängige, natürliche Flussstrecken wiederherzustellen. Als Rückzugs- und Erholungsräume für Mensch und Natur gleichermaßen“, so Stefan Schmidt vom Bayerischen Kanuverband.

 

"Wir rufen alle Akteure dazu auf, die Bemühungen des Wasserwirtschaftsamts um eine naturnähere Isar zu unterstützen und pfleglich mit dem Naturjuwel vor der Haustüre umzugehen", fügt Sigrun Lange vom WWF Deutschland hinzu.

 

Peter Ludwig von den Naturfreunden Wolfratshausen erklärt: "Als Natursportverband sind wir Nutzer der Natur und genießen dabei auch ihre Natürlichkeit und Unberührtheit. Seit Jahren beobachten wir aber mit zunehmender Sorge, dass aus der in wenigen Teilen noch wilden Isar inzwischen mehr und mehr ein sich eintiefender Kanal in einer austrocknenden Flussaue wird. Diese Entwicklung kann uns nicht egal sein. Wir wollen unseren Sport in einer funktionierenden Natur ausüben und setzen uns daher für deren Schutz ein. Wenn es aber nicht gelingt zukünftig weniger Energie und Ressourcen zu verbrauchen, sondern der Energiehunger weiter steigt, wird auch der Ausbau regenerativer Energiequellen wie der Wasserkraft mehr Naturzerstörung als Naturschutz bringen."

 

Hintergrundinformation

 

Der fjordartige Sylvensteinpeicher zähmt die Launen der Isar. Flussabwärts darf nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wasser ankommen. Doch so wichtig diese Regulierung ist, der Speicher hält dabei das Wasser und das Geschiebe zurück, mit dem die Isar neue Kiesbänke gestalten könnte. Zudem engen Deiche den Fluss ein, um Platz für Siedlungen und Straßen zu schaffen. Auf der Strecke bleibt die Dynamik, die einen Wildfluss ausmacht. Die Uferbereiche wachsen nach und nach zu und bieten keinen Lebensraum mehr für Tiere und Pflanzen, die auf offene Kiesbänke angewiesen sind. Fische finden nicht mehr die geeigneten Strukturen, die sie in ihren unterschiedlichen Lebensphasen benötigen. Das Resultat: Der ökologische Zustand der Isar zwischen Sylvensteinstausee und Bad Tölz ist unbefriedigend– vor allem hinsichtlich der Fischpopulationen.

 

Gemäß der Wasserrahmenrichtlinie, die seit Dezember 2000 für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtend ist, müssen sich bis 2027 alle Flüsse wieder ihrem natürlichen Zustand nähern – auch die Isar. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim plant daher in den kommenden Jahren viele Maßnahmen, wie Uferrückbauten und Kieszugaben, um die Strukturvielfalt und die natürlichen Lebensräume für Fische zu verbessern – und damit den guten ökologischen Zustand zu erreichen.

 

Der Druck durch die Vorgaben aus Brüssel führt also zu dringend notwendigen Renaturierungen an unseren Flüssen. 2018/19 soll die Wasserrahmenrichtlinie jedoch überprüft werden. Es drohen Aufweichungen und Fristverlängerungen. Mit einer Beteiligung an der öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission ab September 2018 kann sich jeder für konsequente Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie einsetzen – und damit für lebendige Flüsse.

 

Weitere Infos unter: www.wwf.de/livingrivers

 


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