Botschafter der Biodiversität im Friedergries- Gesellschaft und Landschaft in Bewegung


Am Samstag den 11. Mai trafen sich sechzehn Multiplikatoren, die sich als Botschafter der Biodiversität für den Erhalt unserer Naturschätze einsetzen, zu einer Exkursion ins Friedergries. Das Naturschutz- und Jugendzentrum des BUND Naturschutzes startete dieses Projekt 2016 und die Exkursion ins Friedergries war die dritte Veranstaltung in dieser Reihe. In der zweitägigen Auftaktveranstaltung stand die Isar im Fokus, 2017 die Ammer und nun die Loisach. Da der Erhalt der Artenvielfalt und der Schutz unserer Natur eine Aufgabe ist, die nur gemeinsam und durch das Zusammenwirken vieler verschiedener Gesellschaftsgruppen gelingen wird, treffen sich als Botschafter der Biodiversität Menschen aus vielen verschiedenen Bereichen, wie Wissenschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Sport, Bildung,  Naturschutz u.v.m.. Neben der Wissensvermittlung steht der gegenseitige Austausch und die Diskussion im Zentrum der Veranstaltung.

 

Die Veranstaltung wurde organisiert von Margret Hütt, die auch die fachliche Leitung übernahm.

 

Bei Sonnenschein lauschten die Teilnehmer mit Blick auf das breite Kiesbett der Neidernach dem Einführungsvortrag: Seit 12.000 Jahren - dem Ende der Eiszeit - entsteht im Südosten der Ammergauer Alpen durch die Pendelbewegung des stark mäandrierenden Wildbaches Friederlaine ein Bachschwemmkegel - das Friedergries. Das Friedergries ist eine der wenigen noch aktiven Schwemmkegellandschaften Deutschlands. Außerdem ist das Gebiet Naturwaldreservat und Teil des Naturschutzgebietes "Ammergauer Alpen".

 

Entstehung: Der Loisachgletscher erfüllte, verstärkt durch Seitenarme des Lechgletschers, während der letzten Eiszeit nicht nur das Loisachtal, sondern auch ein 81 ha großes Seitental zwischen Griesen und der Ochsenhütte. Am Fuß des Ofenberges hinterließ der Gletscher eine mächtige Seitenmoräne, auf deren kuppiger Oberfläche in den Mulden durch Kalkversinterung ein Moor entstand, das „Große Moos“ - eine grüne Oase in mitten einer Schotterwüste. Seit dem Abschmelzen des Eises transportiert der Wildbach Friederlaine den Gesteinsschutt aus dem Tal zwischen Frieder, Kreuzspitze und Schellschlicht ins Friedergries und schuf dort einen flachgeneigten Schwemmfächer. Das Einzugsgebiet der Friederlaine umfasst 500 ha. Die hohen steilabfallenden Hände der Kreuzspitzgruppe bestehen aus bröselig verwitterndem Dolomit und liefern große Mengen an Gesteinsschutt. Bei Starkregen ergießen sich Murströme ins Tal und die Friederlaine ist häufig gezwungen ihren Lauf zu verlagern. Weit über hundert Jahre floss die Friederlaine nach Osten zum Schwarzenbach und dann weiter zur Ochsenhütte oder direkt nach Süden, um dann über den Nudelgraben am Fuße des Ofenberges durch ein Tal, das sie sich in die Seitenmoräne gegraben hat, zu entwässern. Dabei entstanden große, sich ständig verändernde und damit offene oder spärlich mit Pioniervegetation bewachsenen Kiesflächen im Osten und Süden. Der Westen des Friedergrieses war zu dieser Zeit mit lichtem Wald bestanden, und wurde dementsprechend als Friederau bezeichnet. Dieser Wald und die zum Teil moorige Wiese im Süden - das „Große Moos“ - waren als Niederleger wichtige Weideflächen für das Vieh der Grainauer Bauern im Frühjahr und im Spätsommer.  Als Anfang der 1940er Jahren die Friederlaine drohte ihren Lauf nach Westen zur Neidernach zu verlegen drohte die Vermurung dieser wichtigen Weidefläche. Hitler ließ von französischen Kriegsgefangenen eine Mauer am Ende der Klamm, dort wo die Friederlaine ihr Einzugsgebiet verlässt, errichten. Außerdem wurde ein Durchlass in dortigen Felsriegel gesprengt, um die Friederlaine „für immer“ nach Osten zum Schwarzenbach umzuleiten. Das „Bauwerk der Jahrhunderte“ hielt zwanzig Jahre, dann brach die Sperrmauer zusammen. Seit dem fließt die Friederlaine zuerst nach Süden in den Nudelgraben und nun meistens nach Westen zur Neidernach. Der Wald der Friederau ist mittlerweile stark vermurt und die Bäume insbesondere im oberen Bereich sind durch den Wechsel von Vermurung und Abtragung abgestorben.  Im Alten Friedergries jedoch breitete sich eine Pioniervegetation mit vielen seltenen Arten wie Ständelwurz, Alpenkorpellattich, Ragwurz, Lorbeerweide und Spirke aus. All diese Prozesse, von der Entstehung bis zu den detaillierten Veränderungen der letzten Jahre, erläuterte Margret Hütt den Botschaftern. Bereichert wurde der Tag durch die Artenkenntnis einzelner Teilnehmer, insbesondere Bernhard Uffinger, einem Lech-Experten. So konnte die Gruppe nicht nur den Rußtau, der die jungen Weiden umgibt, Baumwacholder und Enziane, sondern auch das schmalblättrige Wollgras und die Schneeheide bestaunen. Der Ortsobmann des Bauernverbandes, Josef Sailer wies auf seinen Schwierigkeiten hin, die es den Bauern bei der Heuernte bereitet, wenn Touristen seine blühender Almwiesen als Lagerplätze für ihr Picknick benutzen und so die Pflanzen niedertreten, die Futtergrundlage für seine Kühe sind. Er bat darum, ihn zu unterstützen, damit die Menschen, die oft aus Unkenntnis das Betretungsverbot für Wiesen von März bis Oktober nicht einhalten, wieder auf den Wegen bleiben. Auf dem Weg durchs Gries fand ein reger Gedankenaustausch statt. Das Wetter sorgte auf der Wanderung für einen dramatischen Spannungsbogen. Als die Gruppe den abgestorbenen „Geisterwald“ durchquerte wich die Sonne einer dunklen Wolkenwand und tauchte die Landschaft in dramatisches Licht. Als die Gruppe die Klamm erreichte in der die Friederlaine ihr enges Tal verlässt um sich ins Friedergries zu ergießen, regnete es in Strömen. Nun konnten die Teilnehmer erleben, wie schnell die Friederlaine anschwoll und die Zahl der Bäche zunahm, die sich über das Gries ergossen. Im Laufe dieses Frühjahres waren mehrere neue, bis zu einem Meter tiefe Rinne entstanden. Auch wurde ein Teil eines Weidengebüsches vermurt.  Trotz des starken Regens blieb die Stimmung der Gruppe, beeindruckt von der Großartigkeit unserer Natur, ausgezeichnet. 

 

Zum Abschluss vereinbarten die Teilnehmer weiter im Austausch zu bleiben und fragen nach weiteren Veranstaltungen. Für dieses Jahr ist als Folgeveranstaltung der Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebes geplant um den Dialog Landwirtschaft - Verbrauchen zu fördern und sich gemeinsam für die Artenvielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen einzusetzen.

 


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