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Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Das Flussfilmfest München - auch 2019 wieder ein Erfolg


Trotz des ungewöhnlich warmen und fast frühlingshaften Wetters, ließen sich viele Flussfreunde nicht davon abhalten, den Sonntag mit anregenden Filmen und Diskussionen zu verbringen. Insbesondere die Matinee-Vorstellung des dritten Flussfilmfests München war fast ausgebucht, obwohl dem regen Interesse an der Veranstaltung in den beiden ersten Jahren durch größere Räume Rechnung getragen wurde: Vom kleinen Saal in den Museum Lichtspielen 2017 (60 Plätze) über den Carl-Amery-Saal im Gasteig 2018 (130 Plätze) bis hin zum Kleinen Konzertsaal (190 Plätze) in diesem Jahr.

 

Das Filmfest feiert die Schönheit und Vielfalt unserer Flüsse regional und weltweit, zeigt aber auch deren Gefährdung. In den drei Veranstaltungsblöcken werden jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt: Im Matinee zeigten Filme über Ammer, Isar und Donau die Flussjuwele unserer Region. Nachmittags begeisterte Olaf Obsommer mit einer spektakulären Überquerung der Alpen, nur mit Booten und Fahrrädern. Anschließend thematisierte der Film „Blue Heart“ von Patagonia den Kraftwerksboom auf dem Balkan. Abends wurden internationale Filme aus dem „Wild and Scenic“ Programm der USA gezeigt und in „The Undamaged“ die Vjosa in Albanien vorgestellt. Nach den Filmbeiträgen diskutierten Filmemacher und Experten jeweils, wie sich lebendige Flüsse im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Ökonomie und Naherholung erhalten lassen und was wir in Deutschland von anderen Ländern lernen können.

 

Veranstaltet wurde das Flussfilmfest von WWF Deutschland (im Rahmen des Projekts Alpenflusslandschaften), flow : europe und der Stiftung Living Rivers.

 

Hier geht es zum Filmfestprogramm.

 

Diskussionsrunde zum Zustand unserer Gewässer

Nach den Filmbeiträgen im Vormittagsblock eröffnete Walter Binder von der Stiftung „Living Rivers“ die Diskussion mit einem düsteren Blick auf den Zustand unserer Gewässer: Nur 14 Prozent der Flüsse in Bayern sind in einem guten ökologischen Zustand. Gemäß den Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie bleiben nur noch wenige Jahre Zeit: Bis 2027 sollen alle Flüsse in Europa wieder ökologisch intakt sein. Es gibt also viel zu tun – packen wir es an! So hat sich das Wasserwirtschaftsamt Weilheim viel vorgenommen. Amtsleiter Roland Kriegsch erklärte den Gästen des Flussfilmfests mit eindrucksvollen Drohnenaufnahmen die aktuellen Renaturierungsmaßnahmen an der oberen Isar. Zwischen Lenggries und Bad Tölz wurden Uferverbauungen entfernt, Totholz eingebracht und Seitengewässer wieder angebunden. Dies kommt den Fischbeständen zu Gute. Das freut Isarfischer Kristof Reuther. Denn er plädiert dafür, die Lebensräume zu verbessern, statt die Flüsse lediglich mit Fischen zu besetzen. Gelegentlich werden jedoch auch Stimmen laut, die befürchten, dass renaturierte Flüsse zu attraktiv werden könnten – wie etwa die Isar im Stadtbereich München. Der Ansturm der Erholungssuchenden im Ballungsraum München ist groß. Zu groß, meinen viele, und so wird derzeit über eine Bootsverordnung für die Isar nachgedacht. Ein Entwurf liegt bereits vor. Stefan Schmidt vom Bayerischen Kanuverband begrüßte begründete Regulierungen zum Schutz seltener Arten, kritisierte jedoch die geplante Totalsperrung der Isar im Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen im Zeitraum von Mitte Oktober bis Ende Mai.

 

Diskussionsrunde zur Wasserkraftnutzung

In der Nachmittagsdiskussion erklärte Gregor Overhoff vom Bayerischen Umweltministerium, dass der Ausstieg aus der Kernenergie in Bayern den Ausbau der erneuerbaren Energien erforderlich machen würde. Die Wasserkraft sei ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung in Bayern. Ihre Kapazität soll mäßig ausgebaut werden, vor allem durch die Steigerung der Effizienz vorhandener Kraftwerke, aber auch durch die energetische Nutzung bisher ungenutzter Querbauwerke. Viele der Stauanlagen an bayerischen Flüssen, wie etwa der Sylvensteinspeicher, sind laut Overhoff multifunktional. Neben der Wasserkraftnutzung dienten sie beispielsweise der Wasserstandsregulierung, also der Vermeidung von Niedrig- oder Hochwässern an den Flüssen. Roberto Epple vom „European Rivers Network“ hält dagegen, dass Frankreich größter Wasserkraftproduzent in der Europäischen Union sei. Dennoch sei das Land bzgl. des Erhalts lebendiger und frei fließender Gewässer ein Stück weiter als Bayern. Manche Flüsse, wie der Unterlauf der Loire, seien frei von Nutzung durch Wasserkraftwerke geblieben, so Epple. An anderen Flüssen, beispielsweise am Léguer in der Bretagne,  wurden auslaufende Konzessionen für die Wasserkraftnutzung nicht verlängert. So konnte schon vor 20 Jahren der erste Staudamm mit einer Höhe von 15 Metern rückgebaut werden. Noch in diesem Jahr werden an der Sélune in der Normandie zwei Staudämme entfernt, einer 36 Meter hoch, der andere 16 Meter. Damit entsteht eine freie Fließstrecke von 90 Flusskilometern. Für seinen Einsatz für die Flusslandschaften Mitteleuropas erhielt der schweizerische Biologe Epple 2018 den Euronatur-Preis. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern, kritisierte während der Diskussion vor allem die Förderung der Kleinwasserkraft in Bayern, also der Anlagen mit sehr geringer Leistung. Die kleine Wasserkraft hätte in der Landesregierung eine starke Lobby, erklärte Göttle. So würde beispielsweise der Entwurf des Mindestwasserleitfadens gerade auf Eis gelegt, um ihn „praxistauglich“ zu gestalten. Das heißt im Klartext, um ihn an die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Kraftwerksbetreiber anzupassen, statt an die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie. Aktuell gibt es 56.000 Querbauwerke in den bayerischen Flüssen, weiß Albert Göttle. Es ist noch ein langer Weg, bis der gute ökologische Zustand der Flüsse in Bayern erreicht ist.


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