Die wahren Kosten der Energieerzeugung


Vortrags- und Diskussionsabend: Wie Staudämme Flusslandschaften zerstören. Oder: Was verbindet den bayer. Lech mit einem Wildtierreservat in Tansania?

 

Anlässlich des „Internationalen Tags der Flüsse“ lädt der WWF Deutschland zu einem Dialog über Flüsse, Wasserkraftnutzung und den Klimawandel (Infoflyer des Vortragsabends):

  • Montag, 30. September 2019 (19:30-21:30)
  • Gasteig (Kl.Konzertsaal), Rosenheimerstr. 5, München
  • Eintritt kostenlos; Platzreservierung gerne hier

In zwei Kurzvorträgen wird zunächst eine Brücke von Ostafrika nach Bayern geschlagen:

 

Elefanten im Selous (Bild: WWF / Michael Poliza)

Die Stromversorgung in Tansania ist mangelhaft. Dieses Jahr hat die tansanische Regierung mit dem Bau eines gigantischen Staudammprojekts im Selous begonnen, dem größten Wildschutzgebiet Afrikas. Trotz internationaler Proteste, auch von Seiten der Deutschen Bundesregierung. Denn diese unterstützt den Erhalt der Naturräume und Artenvielfalt im UNESCO-Welterbegebiet seit über 30 Jahren (siehe Drucksache 19/5461 des Dt. Bundestags). Johannes Kirchgatter, Afrika-Referent des WWF Deutschland, erläutert die ökologischen Auswirkungen des Staudammbaus.

 

Stausee am Lech (Bild: Birgitt Kopp)

Der Bayerische Lech dagegen wurde bereits vor vielen Jahrzehnten in eine Kette von Stauseen verwandelt. In der Nachkriegszeit wurde Energie für den Wiederaufbau benötigt. Verloren gegangen sind dabei nicht nur das vielfältige Netzwerk an Seiten- und Nebenarmen, Kiesbänke und bettbildende Hochwasser, sondern auch etliche flusstypische Arten, wie Lechkenner Dr. Eberhard Pfeuffer zu berichten weiß. Auf der Tiroler Seite kann man noch erahnen, wie der Lech auch in Bayern einmal aussah (siehe Video-Clip zum Tiroler Lech von Jörg Hemmer).

 

Im Anschluss an die Vorträge folgt eine Expertendiskussion über die künftige Rolle der Wasserkraft (in Bayern) unter Berücksichtigung der Ziele der Energiewende und des Klimawandels. Es diskutieren

  • Prof. Dr. Ralf Ludwig (Fakultät für Geowissenschaften, LMU),
  • Philipp Wagnitz (Programmleiter Süßwasser des WWF Deutschland) und
  • Carsten Gollum, Leiter der Kraftwerksgruppe Lech, Uniper.

Die Diskussion moderiert Dr. Georg Bayerle vom Bayerischen Rundfunk.

 

Hintergrundinformationen

Der Stiegler Damm im Selous Wildtierreservat

 

Im Selous-Wildtierreservat im Süden von Tansania wird aktuell ein gigantischer Staudamm am Rufiji-Fluss errichtet. 1982 wurde das Wildtierreservat zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Jetzt soll im geschützten Gebiet eine mehr als 100 Meter hohe und etwa 700 Meter breite Talsperre gebaut werden, um Energie zu erzeugen. Nach Schätzungen werden etwa 1.200 km2 Land in dem entstehenden Stausee verschwinden, etwa 15 Mal die Fläche des Chiemsees. Die tansanische Regierung argumentiert, das Projekt betreffe nur etwa drei Prozent des Schutzgebiets und habe daher nur einen geringen Einfluss auf die Natur. Doch die Auswirkungen auf die Auwälder, die zahllosen Feuchtgebiete, die Altwasserseen oder etwa die Mangrovenwälder in der Deltamündung am Indischen Ozean werden ignoriert. Zudem ebnet der Bau von Straßen den Weg für Wilderer. Laut Untersuchungen des WWF sind seit 1982 bereits 90 Prozent der Elefantenbestände im Selous Wilderern zum Opfer gefallen. Neben der Sorge um die Natur am Rufiji werden Zweifel geäußert, ob der Damm die hohen Erwartungen erfüllen kann. Die erhöhte Verdunstung durch den Klimawandel und die stark schwankenden Wasserstände könnten dafür sorgen, dass die erhoffte Leistung von 2,1 Gigawatt nicht erreicht wird. Deutschland (als eines der wichtigsten Geberländer für den Naturschutz in Tansania) hat den Staudammbau mehrfach kritisiert. Im Januar entschied der Deutsche Bundestag, das ostafrikanische Land bei der Suche nach alternativen Energiequellen zu unterstützen.

 

Der bayerische Lech

 

Nach dem zweiten Weltkrieg war Deutschland in einer ähnlichen Situation: Für das „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit wurde Energie benötigt. Der Lech sollte total ausgebaut werden, um möglichst viel Energie zu gewinnen und „nutzlose“ freie Fließstrecken zu vermeiden. So wurden bis 1984 insgesamt 22 Kraftwerke zwischen Roßhaupten und Augsburg gebaut. Nur die Litzauer Schleife und ein Flussabschnitt bei Augsburg blieben erhalten. Die Folge: Der einstmals wilde Lech verwandelte sich in eine Kette von Stauseen. Das Geflecht aus Haupt- und Nebenarmen sowie die offenen Kiesflächen gingen verloren – und mit ihnen der Lebensraum für Arten wie die Deutsche Tamariske sowie Brutplätze für Flussregenpfeifer und Flussseeschwalbe. Lechexperte Dr. Eberhard Pfeuffer weiß, wie viele Wildflussarten sich nach und nach am Lech verabschiedet haben, etwa der Zwergrohrkolben, die Deutsche Tamariske und als eine der letzten der Kiesbank-Grashüpfer.

 

Die Wasserkraft und der Klimawandel

 

Angesichts des menschengemachten Klimawandels hat die Bundesregierung die Energiewende eingeleitet und beschlossen, aus der Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen auszusteigen. Macht es Sinn, die Wasserkraft trotz ihrer negativen ökologischen Auswirkungen als alternative Energiequelle zu fördern? Wie ändert sich das Klima und wie wirken sich die prognostizierten veränderten Niederschlagsmuster mit längeren Dürren und selteneren, dafür umso heftigeren Regenfällen auf die Effizienz von Wasserkraftwerken aus? Die Fragen zur künftigen Rolle der Wasserkraft im Zeichen des Klimawandels diskutieren wir mit Experten aus Wissenschaft, Naturschutz und Wirtschaft.


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