Die Wiederkehr von Tamariske und Co


Eine Studie des WWF Deutschland zeigt, wo Wildflussarten wieder angesiedelt werden sollten.

 

Im Herbst vergangenen Jahres wurden in der Schnalz bei Peiting junge Tamarisken gepflanzt. Ihr langfristiges Überleben hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die geplante Renaturierung der Ammer in diesem Bereich umgesetzt wird. Das hat eine wissenschaftliche Studie des WWF Deutschland im Rahmen des Projekts „Alpenflusslandschaften“ ergeben. Experten von der Technischen Universität München, der Fachhochschule Erfurt und der Leibniz Universität Hannover untersuchten im vergangenen Jahr Arten, die als wichtige Indikatoren für dynamische Auenbereiche von Alpenflüssen gelten. Bei einem Workshop Ende Februar wurden die Ergebnisse von einem internationalen Fachpublikum diskutiert.

 

Alpine Flüsse gehören zu den vielfältigsten und für den Naturschutz wertvollsten Lebensräumen Mitteleuropas. Auf kleinstem Raum befinden sich trockene neben feuchten, sowie schnell fließende neben beruhigten Bereichen. Pflanzen, die im Uferbereich der Flüsse überleben wollen, müssen gut an die extremen Bedingungen angepasst sein. Zwergrohrkolben, Deutsche Tamariske und Uferreitgras sind solche Spezialisten. Sie gelten als wichtige Zeigerarten für natürliche alpine Wildflusslandschaften. Denn sie kommen nur dort vor, wo ausreichend Kies und Schotter vorhanden ist und mit jedem Hochwasser neue, offene Lebensräume entstehen. Auf Eingriffe in die natürliche Flussdynamik reagiert der Zwergrohrkolben am schnellsten, gefolgt von der Deutschen Tamariske und schließlich dem Uferreitgras.

 

Dies spiegeln auch die Ergebnisse der Wissenschaftler wieder: Während der Zwergrohrkolben in Bayern bereits ausgestorben ist, ist die Deutsche Tamariske noch häufiger anzutreffen. Die größten Bestände finden sich an der Isar zwischen Mittenwald und Krün, sowie im Bereich der Ascholdinger Au bei Geretsried. Am Lech wächst die Deutsche Tamariske nur noch oberhalb von Füssen sowie im Mündungsgebiet des Halblech. An der Ammer sind nur noch wenige Tamarisken unterhalb des Schnalzwehres vorhanden. Das Uferreitgras ist an Lech, Ammer und Isar noch häufig. Eine Auswertung früherer Wiederansiedlungsprojekte zeigt, dass sich Bestände von Zwergrohrkolben und Deutscher Tamariske nur dort langfristig wieder etablieren, wo gleichzeitig durch Flussrenaturierungen die notwendigen Lebensräume wiederhergestellt werden. Dies belegt eindrucksvoll die Renaturierung der Ausleitungsstrecke des Kraftwerks Mühltal an der Isar.

 

Deutsche Tamariske © WWF Deutschland

An der Wehranlage Icking wird der Isar seit 1928 Wasser entnommen und über einen Werkkanal dem Kraftwerk Mühltal zugeleitet. Der Fluss wurde damals in ein befestigtes Gerinne gezwängt mit einem nur gering verbliebenen Restabfluss. Auf den einst ausgeprägten Kiesbänken wuchs innerhalb weniger Jahre Wald auf mit Grauerlen, Eschen, Weiden und Fichten. Die Vielfalt der Flusslandschaft wurde dadurch erheblich eingeschränkt. Nach einem Rückbau der Uferbefestigungen zwischen 1999 und 2002 entstand wieder offene Kiesflächen, auf sich in Folge die Deutsche Tamariske wieder angesiedelt hat.

 

Als Schwerpunkte für Wiederansiedlungsmaßnahmen der Tamariske empfehlen die Forscher den Lech bei Füssen, die Schnalzaue an der Ammer und die Isar zwischen Sylvensteinspeicher bis Bad Tölz, wo das Wasserwirtschaftsamt Weilheim derzeit den Rückbau von Uferbefestigungen und das Einbringen von Kies plant. Besondere Aufmerksamkeit benötigt die Tamariske an der Ammer. Der Bestand ist sehr klein und besteht vermutlich hauptsächlich aus Tamarisken, die in den letzten zehn Jahren dort zum Arterhalt gepflanzt wurden. Es wird vermutet, dass die Ammer-Tamariske eine eigene genetische Gruppe darstellt. Denn an der Ammer finden sich nur wenige, weit auseinander liegende Kiesflächen, was den Austausch zwischen einzelnen Beständen erschwert. Auf Isolierung der Populationen reagiert die Art schnell durch eine genetische Differenzierung und Verarmung. Die genetische Vielfalt und Herkunft der Ammer-Tamariske sollte daher untersucht werden, empfehlen die Studienautoren.

Uferreitgras © WWF Deutschland

Es bleibt zu hoffen, dass die Ammer im Zuge der geplanten Deichrückverlegung vom Kalkofensteg bis in den Bereich des Schnalzwehres wieder mehr Raum für ihre natürliche Entwicklung erhält und damit auch die Ammer-Tamariske eine realistische Chance erhält, wieder vitale Bestände zu bilden. Die Ergebnisse der Studie zur Wiederansiedlung von Wildflussarten des WWF Deutschland sind hier zum Download verfügbar.

 

Autorin: Sigrun Lange, WWF Deutschland


Zurück

TOP