Expedition ins Blaue


Die „Expeditionen ins Blaue“ führten in den Wochen vor den Sommerferien 30 Schulklassen an die Wildflüsse Ammer, Lech und Wertach und bereiteten ihnen einen etwas anderen Schultag, bei dem sie die Flüsse aus verschiedenen Blickwinkeln sehen und über die unterschiedlichen Interessen an Fließgewässern (Erholungssuchende, Landwirte, Energieversorger usw.) lernen konnten. Die Aktionen sind darauf ausgelegt, aktiv mitzumachen. Dies bedeutet, dass die Umweltpädagoginnen vorab mit den jeweiligen Lehrkräften Arbeitsmodule auswählen und dann durchführen. Situativ können die Schüler*innen an der Gestaltung der Vormittage partizipieren. Die Kinder und Jugendlichen greifen die Arbeitsaufträge und Anregungen gerne auf, im und am Fluss selber zu suchen, nachzufragen, herauszufinden und über den Flussraum nachzudenken.

 

Im ersten Arbeitsmodul beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen von der 4. bis zur 11. Klasse mit der Biodiversität an einem Wildfluss und konnten anhand von Fachliteratur einzelne Mikrofauna-Arten identifizieren. Aus der Zusammensetzung der gefundenen Mikrofauna errechneten sie beispielhaft die geschätzte Gewässergüte am Untersuchungstag.

Bildungsarbeit mit Kindern am Fluss
Einige Schulklassen waren besonders geschickt darin, die mit Becherlupen und Mikroskopen beobachteten Arten zu zeichnen (Bild von Madisa)

Besonders der Arbeitsauftrag, den Flusslauf auf einer Kiesbank mit Schaufeln nachzubauen, regte die Schüler*innen an, sich mit charakteristischen Lokalitäten an den Flussläufen zu beschäftigen. So baute eine vierte Klasse am Kalkofensteg in Peiting akribisch die für sie bekannten Orte der Ammer auf einer Kiesbank nach: Kraftwerk beim Kammerl, Scheibum, Schleierfälle, Echelsbacher Brücke, Kalkofensteg, Kiesbänke, Prallhang und schließlich auch den Ammersee.

 

Manche Erlebnisse waren nicht so geplant – wie etwa der Fund von toten Fischen in einem Zulauf zum Lech nahe Rieden. Nach Aussage eines Fischers, der des Wegs kam und von den interessierten Schüler*innen mit Fragen überschüttet wurde, verendeten die Fische aufgrund der hohen Temperaturen im Bach. Für die Kinder der vierten Grundschulklasse war dies Anlass, sich über die Lebensraumansprüche von Fischen Gedanken zu machen. Sie setzten dies spielerisch um, indem sie pantomimisch die Überlebensstrategien, Nahrungserwerb und die Fortbewegung von Fischen im strömenden Wasser aufführten.

 

Andere Schüler*innen gestalteten wiederum Bilder, Skulpturen und Objekte aus Naturmaterialien, die am Flussufer zu finden sind und brachten damit ihre Begeisterung und ihre Phantasie zum Ausdruck. Aus aktuellem Anlass gab es einen Wettbewerb für den Nachbau einer „etwas anderen“ Echelsbacher Brücke. Dabei entstanden zahlreiche gewagte Bauwerke:

Bildungsarbeit mit Kindern am Fluss
Ein alternatives Modell der Echelsbacher Brücke.

Dass Flüsse und Bäche wegen gefährlicher anthropogener Frachten durchaus mit Vorsicht betreten werden sollen, erfuhr eine Schülerin am Faulenbach in Füssen. Glassplitter bohrten sich in ihren Fuß, so dass die betreuende Umweltpädagogin ihre Kenntnisse im Anlegen von Verbänden, die sie sich in einem gerade erst absolvierten Erste-Hilfe-Kurs angeeignet hatte, umsetzen konnte. Dies war auch ein eindrucksvoller Anlass für die Schüler*innen, sich mit dem Thema Abfall (Glas, Mikroplastik) in Flüssen auseinander zu setzen.

 

Unsere Wildflüsse zu erleben, ihre Einmaligkeit zu spüren, und dies mit einem situativen Lernprozess zu verbinden, der durch die verschiedenen Lernmodule jedes Gemüt anspricht, macht diese Mitmachaktion zu einem Erlebnis für alle Beteiligten. Sowohl die Schüler*innen als auch Lehrkräfte und manche begleitenden Eltern bestätigen in Evaluationsrunden, wie abwechslungsreich, vielfältig, anspruchsvoll und dennoch eingängig ein Lernvormittag sein kann. Hoffen wir, dass der Eindruck nachhaltig ist, ganz im Sinne des Spruchs „Nur was ich kenne, das schätze und schütze ich auch“.


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