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Flussfilmfest München 2018


Flussfilmfest München

Das Flussfilmfest München fand am 17./18. Februar 2018 im Kulturzentrum Gasteig in München statt. Die Veranstalter Grüne Liga, Stiftung Living Rivers und WWF Deutschland (im Rahmen des Hotspotprojekts "Alpenflusslandschaften") hatten ein buntes Programm zusammengestellt. Regionale Filme über Isar und Donau wurden ebenso gezeigt, wie spannende Beiträge aus der Balkanregion, den USA und Afrika:

  • Samstag, 17.2.2018, Abendprogramm (19 bis 22 Uhr); Kosten: 8 Euro (Filme teilweise in Englisch)
    THE WILD PRESIDENT (7')
    DOUGLAS TOMPKINS – A WILD LEGACY (16‘)
    WIE WÖLFE FLÜSSE VERÄNDERN (5‘)
    THE SUPER SALMON (25‘)
    DIE THURAUEN IM WANDEL (25‘)
    AUF DEM FLOß DURCH DIE SCHLUCHTEN DER TARA (52‘)
  • Sonntag, 18.2.2018, Matinee (10:30 bis 12:15 Uhr); Kostenlos (Platzreservierung notwendig)
    WILDES DEUTSCHLAND - DIE ISAR, DER LETZTE WILDFLUSS (45‘)
    WASSERKRAFT – ALLES ANDERE ALS GRÜNE ENERGIE (8‘)
  • Sonntag, 18.2.2018, Nachmittagsprogramm (15 bis 17:30 Uhr); Kosten: 6 Euro (Filme teilweise in Englisch)
    WILDNIS AM STROM (45‘)
    WIDERSTAND AM STROM (30)
    UNA – THE ONE (30‘)
  • Sonntag, 18.2.2018, Abendprogramm (19 bis 21:30 Uhr); Kosten: 6 Euro (Filme in Englisch)
    Vorprogramm mit Filmen zu Plastik
    FROM WATER TO DUST (30’)
    RETURN OF THE RIVER (70’)

Download des kompletten Programms hier

 

Das Programm im Detail

Samstag, 17.2.2018, 19:00 bis 22:00 (Eintritt: 8 Euro)

 

Der erste Block im Flussfilmfest ist den US-amerikanischen Flüssen gewidmet. Mit Douglas Tompkins wird ein Vorreiter im Naturschutz vorgestellt. Der Film "Super Salmon" zeigt, wie ein Staudammprojekt in Alaska nicht nur das Flussökosystem des Susitna zu beeinträchtigen droht, sondern auch die Wirtschaft und Kultur einer ganzen Region.

 

Block: Amerika (englischsprachige Filme)

 

THE WILD PRESIDENT, NRS, 2017 (6:30‘): Kurzfilm über den ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, der sich für den Schutz von Wildflüssen engagierte. Eine Kanu-Tour auf dem Chattooga Fluss begeisterte ihn so sehr, dass er sich 1974 dafür einsetzte, über 90 Kilometer des Flusses als „Wild & Scenic River“ unter Schutz zu stellen und sie damit vor Staudammbauten zu bewahren.

 

DOUGLAS TOMPKINS – A WILD LEGACY, 2016 (16‘): Film über den US-amerikanischen Gründer der Firma „North Face“, der als Outdoorsportler ein starkes ökologisches Bewusstsein entwickelte und sich nach Verkauf seiner Firmenanteile für den Schutz großer Wildnisflächen in Patagonien engagierte. Die mit privatem Geld gekauften Areale werden den Ländern Chile und Argentinien gestiftet, um sie u.a. als Nationalparks zu schützen. Tompkins starb 2015 im Alter von 72 Jahren an den Folgen eines Kajak-Unfalls.

 

WIE WÖLFE FLÜSSE VERÄNDERN (4,30‘): Der Kurzfilm skizziert, wie Wölfe, die im Yellowstone Nationalpark ausgewildert wurden, die Ökosysteme und in der Folge die Landschaft verändern, bis hin zur physischen Gestalt der Flüsse.

 

THE SUPER SALMON, Ryan Peterson, 2016 (25‘): Der Film folgt einem Lachs auf seinem Weg entlang des Susitna, eines etwa 500 Kilometer langen Flusses in Alaska – und zwar von der Flussmündung in einer Bucht im Golf von Alaska bis weit hinauf in die Gletscherregion des Mount Hayes. Während der Reise dokumentiert Peterson die Bedeutung des Flusses und der Lachse für die Wirtschaft und Kultur der Region. Nach aktuellen Planungen soll der Susitna mithilfe eines massiven Staudamms für die Energiegewinnung nutzbar gemacht werden. Die Befürworter des Staudammprojekts argumentieren, dass der Damm die Lachswanderungen nicht behindern würde, da er oberhalb der regulären Wanderrouten errichtet werden soll. „Super salmon“ beweist jedoch das Gegenteil.

 

Block: Europa

 

Expertendiskussion zu den Errungenschaften und zur Zukunft des Gewässerschutzes im Zeichen der Wasserrahmenrichtlinie. Diese Richtlinie, Herzstück der EU-Gewässerpolitik, formuliert ambitionierte Ziele für die Gewässer hin zu mehr Naturnähe und Dynamik unserer Flüsse.

 

DIE THURAUEN IM WANDEL (25‘): Die Thur ist ein 135 Kilometer langer Fluss in der Ostschweiz. Wo der Fluss in den Rhein mündet (bei Flaach und Ellikon am Rhein), liegen die Thurauen. Mit einer Fläche von fast 400 Hektaren stellen sie das größte Auengebiet des Schweizer Mittellands dar. Der Film berichtet über das Pionierprojekt „Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung“, mithilfe dessen die Thur auf den letzten Kilometern vor der Mündung wieder ein natürliches Flussbett erhält. Sie kann wieder Mäander bilden und die umliegende Auenlandschaft bei Hochwasser teilweise überfluten. Ergänzt durch gezielte ökologische Aufwertungen entlang dem Flusslauf und im Auenwald entstehen so neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.

 

AUF DEM FLOSS DURCH DIE SCHLUCHTEN DER TARA, 360°-GEO Reportage, 2012 (52‘): Im Norden Montenegros durchschneidet die Tara auf 140 Kilometern Länge das Durmitor-Gebirge. In den schroffen Canyons ist ein Floß oftmals das beste Transportmittel. Fikret Pendek durchquert regelmäßig mit seinem Floß die wilde Tara. Von seinem Vater hat er gelernt, wo die gefährlichsten Felsen unter Wasser lauern. Fikrets selbst gebautes Gefährt ist zugleich seine Ware, denn er lebt vor allem vom Holzverkauf. Der Film begleitet den Flößer auf einer seiner rasanten Fahrten durch die raue Landschaft Montenegros.

 

Sonntag, 18.2.2018 (Matinee), 10:30 bis 12:30 (Eintritt frei)

 

Die Flusslandschaft der Isar oberhalb des Sylvensteinspeichers ist einzigartig. Selten wurde die Landschaft mit ihren typischen Tier- und Pflanzenarten so grandios in Szene gesetzt, wie im Film von Jürgen Eichinger. Doch die Idylle trügt: Ab Krün wurde auch dieser Flussabschnitt bereits massiv durch den Menschen verändert. Für den Betrieb des Walchenseekraftwerks wird das Wasser der Isar bei Flusskilometer 251,5 durch das Stauwehr Krün gestaut und von dort fast vollständig in den Walchensee umgeleitet. Erst seit 1990 muss eine Mindestmenge an Wasser in dem ursprünglichen Flussverlauf verbleiben. Zuvor war der Flusslauf unterhalb von Krün mit Ausnahme von Hochwasserzeiten trocken. Aufgrund der geringen Wassermengen und der damit einhergehenden geringeren Dynamik werden die offenen Kiesflächen von Wald bewachsen. Typische Kiesbankbewohner finden seither weniger Lebensraum. Wasserkraft wird oftmals als ökologische Energiequelle angesehen. Ihre Auswirkungen auf die Flusslandschaften und ihre lebenden Bewohner sind jedoch dramatisch.

 

WILDES DEUTSCHLAND - DIE ISAR, DER LETZTE WILDFLUSS, 2016 (45‘): Der Film von Jürgen Eichinger zeigt die obere Isar als einen der letzten Wildflüsse in Deutschland. Je weiter man dem Lauf der Isar in Richtung Alpen folgt, umso wilder wird sie. Dort, wo sie als Wildfluss zwischen den steil aufragenden Bergen des Karwendels dahinströmt, hat sich eine Flusslandschaft erhalten, die in Deutschland einzigartig ist. Die Isar bietet entlang dieser Strecke noch heute ein Bild, wie es wohl alle Alpenflüsse nach der Eiszeit geboten haben. Neben faszinierenden Landschaft- und Tieraufnahmen, wird aber auch die Veränderung der Landschaft durch die Wasserableitungen bei Krün zum Walchenseekraftwerk thematisiert.

 

WASSERKRAFT - ALLES ANDERE ALS GRÜNE ENERGIE, Landesfischereiverband Bayern (7:40‘): Wasserkraft gilt als ökologische Energiequelle – zu unrecht. Die Turbinen verletzen und töten Fische und durch den Aufstau des Wassers geht wertvoller Lebensraum verloren. Prof. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern, bemängelt, dass im Zuge der Energiewende weitere Kraftwerke gebaut werden sollen, obwohl Bayerns Flüsse in der Vergangenheit schon massiv für die Energiegewinnung verbaut wurden.

 

Anschließend: Expertendiskussion zum Thema Wasserkraftnutzung und Veränderung der Flüsse.

 

Die Isar im Bereich der Ascholdinger Au (Bild: Sigrun Lange)

Sonntag, 18.2.2018, 15:00 bis 17:30 (Eintritt: 6 Euro)

 

Die Donau wurde in weiten Teilen begradigt und zur die Energiegewinnung aufgestaut. Zwischen Wien und Bratislava ist jedoch ein Stück Auenlandschaft mit einer natürlichen Flussdynamik erhalten geblieben. Dies ist dem Engagement vieler österreichischer Bürger zu verdanken, die durch ihren Widerstand 1984 den Kraftwerksbau bei Hainburg verhindern konnten, wie Roberto Epple in seinem Film „Widerstand am Strom“ eindrucksvoll zeigt. So blieben die Donauauen hier erhalten und wurden später als Nationalpark Donauauen unter Schutz gestellt. Dessen Schönheit zeigt „Wildnis am Strom“. Auch Bayern diskutiert derzeit über einen möglichen Auennationalpark an Donau und Isar. Während hier die Reste naturnaher Flüsse und Auenlandschaften unter Schutz stehen bzw. aufwändig renaturiert werden, drohen auf dem Balkan zahlreiche frei fließende Flüsse der Wasserkraftnutzung geopfert zu werden. Filmemacher Borinski zeigt im Film "Una - The One" den Kampf eines bosnischen Fischers gegen den Staudammbau an der Una.

 

Block: Donauauen

 

WILDNIS AM STROM, Universum Dokumentation (45‘): Die Donau wurde in weiten Teilen begradigt und zur die Energiegewinnung aufgestaut. Zwischen Wien und Bratislava ist jedoch ein letztes Stück Auenwald mit einer natürlichen Flussdynamik erhalten geblieben. Über zwei Jahre hinweg dokumentierte das Universum-Team die einzigartige Flusslandschaft im Nationalpark Donauauen im Laufe der Jahreszeiten. Die Lebensräume sind einem ständigen Wechsel unterworfen. Das kontinuierliche Werden und Vergehen ist Voraussetzung für den Erhalt dieser letzten Wildnis am Strom.

 

WIDERSTAND AM STROM, von Roberto Epple, 1985 (Original 70‘, verkürzt auf 30‘): Mit „Widerstand am Strom“ dokumentiert Roberto Epple eindrucksvoll ein Stück österreichische Geschichte: Im Zentrum stehen die Hainburger Flussauen und ihre drohende Vernichtung durch den Bau eines Wasserkraftwerks. Es sind die Bürger, die sich engagieren und 1984 eine der bisher größten sozialen Bewegungen dieses Landes starten. Mit Mut, kreativen Ideen und Durchhaltevermögen bewirken sie nicht nur einen Baustopp, sondern auch die Gründung des Nationalparks Donauauen.

 

Block: Wasserkraftnutzung auf dem Balkan

 

UNA – THE ONE, von Jonas Borinski, 2017 (30‘): Wie viele andere von Europas letzten frei fließenden Flüssen in der Balkanregion ist die Una in ständiger Gefahr, durch Staudämme und Kraftwerke zerstört zu werden. Es ist einer der wenigen letzten Flüsse der Welt mit einer gesunden, wilden Huchen-Population. Für den bosnischen Führer Anes Halkic ist die Una nicht nur ein Fluss, sie ist sein Leben. In "Una - The One" folgt Filmemacher Borinski Halkic in seinem Kampf gegen Dämme und bei der Jagd nach Huchen mit der Fliege. Anschließend Expertendiskussion zum Erhalt dynamischer Flüsse in Europa.

 

Der Wasserfall "Strbacki buk" im National Park Una (Bild: Jonas Borinski)

Sonntag, 18.2.2018, 19:00 bis 21:15 (Eintritt: 6 Euro)

 

Während nahezu überall auf dem Globus ein nie dagewesener Boom an Staudamm- und Wasserkraftprojekten die Flüsse zu zerstören droht, ist die Situation in den USA eine andere: Das Zeitalter des Staudammbaus ist vorbei. Mehr noch: Inzwischen werden weitaus mehr Staudämme abgerissen als neu gebaut. Die Filme der Abendsession stellen diesen Widerspruch heraus. Beispiele aus Amazonien und Afrika dokumentieren die verheerenden Wirkungen neuer Staudämme, ökologisch wie auch für viele Menschen. Der Abschluss ist einem Film vorbehalten, der Hoffnung macht: RETURN OF THE RIVER über den Abriss zweier Staudämme im Elwha River und die Rückkehr dieses mächtigen Wildflusses. Im Vorprogramm widmen sich drei Kurzfilme dem globalen Problem des immer weiter anwachsenden Plastikmülls in den Gewässern und Meeren. Eine Bedrohung, die über die aquatischen Nahrungsketten auch direkt auf uns selbst zurückfällt.

 

Vorprogramm: Plastik – von den Flüssen ins Meer

 

OUR PLASTIC – OUR PROBLEM (3‘)

PLASTIC OCEAN (7:30min)

INVISIBLE OCEAN: PLANKTON AND PLASTIC (8:55’)

 

Block: Internationale Filme 

 

FROM WATER TO DUST (~30’): Film über die Auswirkungen des Staudammbaus am Omo River in Äthiopien auf den Lake Turkana in Kenia und seine Anwohner.

 

RETURN OF THE RIVER, von John Gussmann (~70‘): Der Film dokumentiert den langen und mühsamen Weges bis zum Staudammabriss am Elwha River im Olympic National Park im Bundesstaat Washington: der größte Staudamm, der in den USA bisher abgerissen wurde. John Gussmann portraitiert Menschen, die der Mut nicht verlassen hat und bis zum Ende für die Befreiung des Elwah gekämpft haben – und die ergreifende Wiedergeburt des Flusses.


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