Flussgespräch an der Isar


Anlässlich des Starts des WWF-Kleinkunstwettbewerbs am Tag der Artenvielfalt, traf Sigrun Lange vom WWF Deutschland die Schirmherrin des Wettbewerbs, Dr. Auguste von Bayern, und den Isarkenner Prof. Dr. Josef H. Reichholf im Mühltal, um mit den beiden über prägende Erlebnisse am Fluss und die inspirierende Kraft der Natur zu sprechen. Auch die Störwirkungen der Freizeitnutzung auf die Pflanzen und Tiere am Fluss kamen dabei zu Sprache. Martin Mühlfenzl von der SZ begleitete das Gespräch. Zum SZ-Artikel vom 20. Mai 2019 >>

Auguste von Bayern, Sigrun Lange und Josef Reichholf im Gespräch (Foto: Olaf Obsommer)
Flussuferläufer (© Markus Bosch, LBV)

 

Beispiel Flussuferläufer: Der braune Schnepfenvogel mit dem weißen Bauch kommt nur noch an wenigen Flüssen in Bayern vor, darunter Ammer und Isar. Er ist vom Aussterben bedroht (Rote Liste Bayern). Seine Brutplätze, die Kiesbänke, gingen vielerorts durch Flussregulierungen oder eine energiewirtschaftliche Gewässernutzung verloren. Der Erhalt der wenigen verbleibenden Flächen ist daher entscheidend für den Fortbestand der Art. Auf höchstens 150 Brutpaare schätzt Reichholf den Bestand des Flussuferläufers in Bayern. Während der Fortpflanzungszeit ist der Vogel sehr störanfällig. Wassersportler, Badende, Angler oder Menschen, die im Gebüsch ihre Blase erleichtern wollen, können ihn vom Brutgeschehen ablenken. „Kiesinseln und speziell markierte Bereiche des Flussufers dürfen zur Brutzeit des Vogels nicht betreten werden“, erläutert Lange und weist auf das gelbe Hinweis-Schild auf der Kiesbank gegenüber. „Leider wissen viele Menschen oft gar nicht, warum diese Bereiche nicht betreten werden dürfen“, so Auguste von Bayern. Darum sei es wichtig, die Menschen wieder an die Natur heranzuführen, sie aufzuklären und Wissen zu vermitteln.

 

Der Lauf der Isar ist in ständigem Wandel, sie gilt als letzter großer Wildfluss Deutschlands. Auf die Frage, ob man sich Sorgen um den Fluss machen müsse, antwortet Auguste von Bayern: „Wir dürfen nie aufhören, uns Sorgen zu machen.“ Denn trotz aller bereits ergriffenen Maßnahmen, könne man immer noch mehr tun. Sigrun Lange verweist auf die erfreulichen Erfolge vergangener Renaturierungen, die im Mühltal deutlich zu sehen sind. „Vor 20 Jahren hat das Wasserwirtschaftsamt in der Ausleitungsstrecke zwischen Icking und dem Mühltal Uferverbauungen entfernt. Mittlerweile hat sich hier wieder eine Wildflusslandschaft etabliert, mit viel Kiesflächen, Totholz und Deutscher Tamariske“, berichtet Lange. Auguste von Bayern betont, dass es schön wäre, die Isar auch andernorts wieder natürlicher verlaufen zu lassen. Denn: Viele Tier- und Pflanzenarten haben sich an den speziellen Lebensraum am Fluss angepasst und finden nur dort ihr Zuhause. Als Botschafterin für den Erhalt des europäischen Naturerbes in Bayern ist ihr der Erhalt des Natura-2000-Gebiets „Oberes Isartal“ ein besonderes Anliegen. Josef Reichholf hält es für ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt München, dass „ein Wildfluss durch die Stadt fließt. Das soll einmal eine andere Stadt nachmachen!“

Isar im Bereich Ascholdinger Au (Bild: Sigrun Lange)

 

An der Isar prallen – wie an vielen anderen Flüssen auch – unterschiedlichste Ansprüche der Bevölkerung aufeinander. Die Anwesenden sind sich einige, dass eine Bootsverordnung in einem Landkreis alleine die vielfältigen Probleme nicht lösen wird. Es braucht einheitliche und leicht verständliche Regelungen für den gesamten Flussverlauf – und für unterschiedliche Nutzungsformen. Reichholf plädiert dafür, immer zu prüfen, inwieweit die angestrebten Ziele mit bestimmten Regelungen tatsächlich erreicht werden. Sollten sich Regelungen nicht als zielführend erweisen, sollten sie auch wieder zurückgenommen werden.

 

Um auf diese Problematik, aber auch auf den Reichtum und die Schönheit dieser außergewöhnlichen Landschaft aufmerksam zu machen, lädt der WWF zur künstlerischen Auseinandersetzung mit Flüssen ein. Das Ziel: Sich für einen Moment Zeit nehmen, dem Rauschen und Plätschern des Wassers lauschen, die Vögel beobachten und sich dabei künstlerisch inspirieren lassen. „Die Begeisterung für die Vielfalt verbindet uns mit der Natur“, bemerkt Josef Reichholf. Und diese Begeisterung ist auch deutlich bei Prinzessin Auguste von Bayern zu spüren, wenn sei von Ihren Kindheitserinnerungen spricht: „Dort spazieren zu gehen und die Eisvögel zu beobachten oder Kaulquappen zu sehen, dass war ziemlich faszinierend und prägend als Kind, es hat mich mein Leben lang nicht losgelassen. Und wenn man selber Kinder hat, ist es besonders schön zu sehen, wie es auch sie packt.“ Alle Beteiligten des Flussgespräches sind sich einig, dass es wichtig ist, eine immer seltener werdende Landschaft wie diese an der Isar zu schützen. „Dies erreicht man mit Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung“ (Auguste von Bayern), „weil nur geschützt wird, was man kennt“ (Reichholf).


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