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Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Für die Zukunft unserer Alpenflüsse


3. Dialogveranstaltung zum Thema "Alpenflüsse - Gestern. Heute. Morgen?"

Am 19. Oktober 2017 war es erneut so weit: Um nachhaltige Lösungen für den Erhalt natürlicher Fließgewässer im Alpenraum zu finden, luden der Bezirk Oberbayern in Kooperation mit dem Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern e. V. (ZUK) und die Verbundpartner des Hotspot-Projekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ zum dritten Mal zur Dialogreihe ins Kloster Benediktbeuern ein.

 

Ein besonderes Schmankerl vor Beginn der Dialogveranstaltung war eine Exkursion in die Loisach-Kochelsee-Moore, organisiert von Elisabeth Pleyl (Naturschutzbüro des ZUK). Bei bestem Sonnenwetter konnten sich die Teilnehmenden ein Bild von dieser wertvollen Nieder- und Hochmoorlandschaft machen, welche auch als FFH- und Vogelschutzgebiet ausgewiesen wurde und viele seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Hauptziel des ZUK ist es, die Moore durch eine enge Zusammenarbeit mit Nutzern und den zuständigen Behörden zu erhalten.

 

Schwerpunkt war diesmal das Thema „Dynamik für unsere Alpenflüsse“ mit den Fragen „Warum brauchen wir die Wildheit der Flüsse?“ und „Warum müssen wir die Natur am Fluss steuern?“. Hier wurden Konzepte aus Prozessschutz und traditionellem „Pflegenaturschutz“ gegenübergestellt.

Dazu konnten die etwa 150 Teilnehmenden zwei spannende Vorträge von Dr. Christine Margraf (Bund Naturschutz in Bayern e.V.) und Dr. Luise Schratt-Ehrendorfer (Universität Wien) hören und im Anschluss die darin erläuterten Standpunkte ausführlich diskutieren.

Die Suche nach den passenden Maßnahmen

Wichtige Faktoren für eine alpenflusstypische Artenvielfalt und natürliche Wildheit sind unter anderem Großflächigkeit, Substratvielfalt, Totholzablagerungen und möglichst wenig Verbauung entlang des Flusslaufs und seiner Auen. Soll ein Fluss renaturiert werden, dann ganz nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“, meint Dr. Christine Margraf. Sie zeigte am Beispiel der mittleren Isar anschaulich, dass der Fluss ein kleinräumig wechselndes Mosaik an verschiedenen Standorten am besten selbst schafft.

 

Dagegen plädierte Dr. Luise Schratt-Ehrendorfer für steuernde Pflegemaßnahmen zum Erhalt auentypischer Standorte, insbesondere an bereits massiv veränderten Flussläufen wie an den Donau-Auen bei Wien. Auf diese Weise sei es möglich, die bestehende Artenvielfalt zu erhalten. Allerdings wies sie auch darauf hin, dass es sich bei jedem Fluss um einen Einzelfall handelt. Steuernde Maßnahmen sollten daher stets an lokale Gegebenheiten angepasst werden und nur an Standorten stattfinden, wo sie erfolgversprechend sind.

Ein Raum für interaktive Diskussionen

Im Anschluss an diese anregende Diskussion wurde im Mittelpunkt des Saals ein großer Planungstisch für etwa 60 Personen aufgestellt. An dessen vier Enden standen ausgewählte Experten für die vier Alpenflüsse Ammer, Isar, Lech und Loisach bereit, um konkrete Projektideen aus der Hotspot-Konzeption mit Interessierten zu besprechen und dazu Anregungen zu sammeln.

 

Wie können wir unsere Alpenflüsse als natürliche Lebensadern mit hoher Artenvielfalt erhalten oder wieder zurück in einen natürlichen Zustand versetzen? Welche Maßnahmen eignen sich an den verschiedenen Standorten entlang der Flüsse und wie werden sie sinnvoll umgesetzt, um diese Ziele zu erreichen? Anhand der an dem Planungstisch diskutierten 16 Projektideen wurden beispielsweise Maßnahmen zur Verbesserung der Flussdynamik, zur ökologischen Durchgängigkeit, zum Hochwasserschutz, und Optionen für eine angemessene Freizeitnutzung angesprochen und versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden.

 

Weiterhin lud ein interaktives Quiz in den vier Ecken des Saals die Gäste dazu ein, sich mit naturschutzfachlichen Fragestellungen rund um die vier Alpenflüsse auseinander zu setzen. Auf der Suche nach der richtigen Antwort konnten sich die Anwesenden kennenlernen und austauschen. Zu jedem der Projektvorschläge gab es eine thematisch zusammenhängende Quizfrage mit drei verschiedenen Antwortmöglichkeiten. Unter anderem wurde gefragt, welche Vogelart nicht im Ammerdelta brütet (korrekte Antwort: die Rohrdommel) und warum Fischwanderhilfen flussabwärts derzeit meistens nicht funktionieren (korrekte Antwort: die Fische finden den Einstieg nicht). Mithilfe von Streifenmagneten konnten die Teilnehmenden ihren Tipp abgeben und am Ende der Veranstaltung kleine Preise gewinnen.

 

Kurzum, die dritte Dialogveranstaltung war wieder ein voller Erfolg. Die vierte Ausgabe der Dialogreihe findet am 11.10.2018 statt. Bitte merkt euch den Termin bereits vor.

Die Ergebnisse der Hotspotkonzeption finden sich in der Broschüre "Es tut sich was. Lech. Ammer. Isar. Loisach" und in der Langfassung "Alles im Fluss – Perspektiven für Isar, Loisach, Ammer und Lech" auf unserer Website. Beide Dokumente stehen zum Download zur Verfügung.


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