Für Mehlprimel und Enzian – Mittelschüler arbeiten für die Artenvielfalt


Faulbaum Aktion im Magnetsrieder Filz

 

Am Dienstag den 29. April engagierten sich Schüler der Wilhelm-Röntgen Mittelschule für die Artenvielfalt. Im Rahmen des Naturschutzprojektes "Alpenflusslandschaften - Vielfalt leben vom Ammersee bis Zugspitze" initiierte das Jugend- und Naturschutzzentrum des BUND Naturschutzes in Wartaweil einen Workshop für Mittelschulen, in dem durch praktische Arbeit ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz geleistet wird. Dieses Jahr beteiligte sich auch die 9. Jahrgangsstufe am Workshop „Pack ma`s“ und leisteten tatkräftigen Naturschutz. Zusammen mit dem Vorsitzenden der BUND Naturschutz Kreisgruppe Weilheim Dr. Helmut Hermann, der sich ehrenamtlich um die Pflege der Flächen kümmert, der Lehrerin Ursula Skusa und der Organisatorin des Work Shops Margret Hütt entfernten die Schüler Faulbaum Anflug auf einer Streuwiese im Magnetsrieder Hardt. Die Kreisgruppe des BUND Naturschutzes hatte erst vor kurzem die Pflege dieser Fläche übernommen. Jahrelang wurde hier nicht mehr gemäht und nun wuchsen viele junge bis zu 1 m hohe Faulbäume, Weidenanflug und Birken auf dieser Fläche. Würde man nichts unternehmen, entstünde hier statt einer Streuwiese mit seltenen Arten ein Wald. Um den Artenreichtum einer Streuwiese mit über 100 verschiedenen Arten und damit einen Lebensraum für viele Insekten zu erhalten, muss diese einmal im Jahr gemäht werden und das Gras abtransportiert werden. Nur wenn genügend Licht auf den Boden fällt und die Böden mager sind, haben viele seltenen Pflanzen eine Chance. Wald würde den Boden beschatten und das wäre das Aus für die meisten Wiesenblumen.

 

Das Wetter war schlecht und es war kalt, trotzdem wählten fünfzehn Schüler diesen Arbeitseinsatz, obwohl die Schulleitung ihnen aufgrund des Wetters die Entscheidung überlies. Hoch motiviert bestiegen sie den Bus um zum Einsatzort, einem Moor nördlich von Magnetsried, zu fahren. Dort traf die Gruppe Helmut Hermann. Auf dem Weg zum Arbeitsgebiet erklärte Helmut Hermann den Schülern die Besonderheiten einer extensiv genutzten Wiese im Vergleich zu einem intensiv genutzten Grünland, das reichlich mit Dünger versorgt, zwar sehr grün und gelb vom Löwenzahn oder Hahnenfuß erscheint, an Arten aber sehr verarmt ist. Extensive und artenreiche Weisen sind eine große Seltenheit geworden. Es braucht mindestens 20 Jahre um eine intensive Wiese wieder auszumagern, so dass die seltengewordenen Wiesenblumen wie Wiesenbocksbart, Wiesenschaumkraut, Salbei etc. eine Chance haben zu überleben ohne von den starkwüchsigen auf hohen Stickstoffgehalt im Boden angewiesenen Pflanzen überwuchert und damit verdrängt zu werden.

 

Auf der verbuschten Wiese angekommen, erklärte Hermann den Schülern, wie sie die Bäumchen ausstechen sollen. Sogleich machten sich alle begeistert ans Werk. Mit Spaten oder der Kreuzhaue wurden die Wurzeln gekappt und dann wurden die Bäumchen aus dem Boden gezogen und auf bereitliegende Planen geschlichtet. Obwohl die Bäumchen selten höher als ein Meter waren, gelang es meist nur als Team den Baumanflug zu roden. Auch waren immer mindestens zwei Leute nötig, um die gerodeten Bäume aus der Fläche zu ziehen. Diese Form der Teamarbeit sorgte für viel Gelächter. In einem Waldstück wurden die Bäumchen zu einem großen Haufen aufgeschichtet. Derartige Reisighaufen sind ein idealer Unterschlupf für unsere heimischen Schlangenarten wie Ringelnatter und Kreuzotter. Hochmotiviert und in perfekter Teamarbeit wurde ein erstaunlich großes Stück entbuscht – ein neuer Lebensraum für Mehlprimeln, Enziane und Orchideen und ihre auf sie angewiesenen Insekten ist entstanden. Sobald die Schüler ihren Quali gemacht haben, werden sie ihre Eindrücke in selbst angefertigten Arbeiten präsentieren.

 

Bildautorin: Margret Hütt


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