Hymnen auf unsere Flüsse


Das Finale des WWF-Kleinkunstwettbewerbs begeistert das Publikum

Die Jurymitglieder Hans Well, Elena Hammerschmid, Jessica Dorsch und der Moderator Bumillo (Foto: Gerhard Schmolke).

Flüsse sind Lebensadern der Natur und Schatzkammern der Artenvielfalt. Für viele Menschen sind sie aber auch Quelle der Inspiration. Die 14 Finalisten des WWF-Kleinkunstwettbewerbs zeigen mit ihren Liedern, Gedichten, Skulpturen, Kurzfilmen und einer Tanzperformance, dass sie sich auf unterschiedlichste Art und Weise „am Fluss dahoam“ fühlen. Knapp 300 Gäste versammeln sich am Weltwassertag zu einem grandiosen Finale im Wirtshaus zum Schlachthof in München. Die Begeisterung für die originellen und professionell inszenierten Beiträge zu Flüssen ist groß: mal laut, mal leise, mal betroffen, mal frech, mal fordernd. Zusammen mit den Jurymitgliedern Hans Well, Elena Hammerschmid und Jessica Dorsch wählt das Publikum schließlich die drei Wettbewerbssieger, „Paul Salmon & the Rheophonics“ („50 ways to love your river“, 1. Preis), „Die Idealen Opfer“ („Die Isar“, 2. Preis) und Christina Move’inger („Isar-DJ“, 3. Preis). Die Preisgelder werden vom Landkreis Weilheim-Schongau gestiftet.

 

Das Wettbewerbsfinale lockte knapp 300 Gäste in den Schlachthof in München (Foto: Gerhard Schmolke).

Uli Mauk und ihre Tochter eröffnen den Abend mit einem Lied über die Zeit, die dahin treibt wie das Wasser im Fluss. Im Anschluss beschreibt Irmingard Niklas, 1933 bei Oberammergau geboren, mit poetischen Worten ihre Beziehung zur Ammer. Am Fluss, weiß sie aus Erfahrung, weicht die Erdenschwere einer besonderen Leichtigkeit. Sehr lebhaft wird es beim Auftritt von „Klanghilde und Rezitante“. Mit Gesang und einem Video zeigen die beiden, wie sie in den Lech hüpfen und der Lech in sie. Nach dem Kurzfilm „Luc, der Fluss und Lurelu“ tritt Calippo Schmutz im Bademantel auf die Bühne. Er inszeniert sich als einziger Verbliebener des Stammes der Pullapachen, der südlich von München an der Isar lebt. Um die Isar geht es auch beim Lied der „Idealen Opfer“. Die Münchner besingen die geheimnisvolle Anziehungskraft und Eleganz dieses Flusses. Maxime Victor widmet sein Gedicht dem schillernden Eisvogel, der dem Strudel des Wassers entflieht. Die Umbauphasen zwischen den Beiträgen nutzt Moderator Bumillo, um die Gäste auf das Motto des Abends einzuschwören: Auf seinen Schlachtruf „Am Fluss“ antwortet das Publikum lautstark „dahoam“.

 

Der Beitrag "50 Ways to love your River" begeistert Jury und Publikum (Foto: G. Schmolke).

Nach einer kurzen Pause heizen „Paul Salmon & the Rheophonics“ aus Berlin die Stimmung noch einmal kräftig an. In einer Parodie auf Paul Simons „50 ways to leave your lover“ machen sie sich – rhythmisch beklatscht vom Publikum – auf die Suche nach 50 Wegen zu freien Flüssen. Eine Ode an die Vorstellungskraft nennen sie es, wenn sie davon träumen, das Wehr zu sprengen, den Deich zu schlitzen und dem Fluss freien Lauf zu lassen. Im anschließenden Gedicht „Flussgesichter“ geht es zwar wieder etwas beschaulicher zu. Doch auch Frau Schirmer beklagt den Zustand unserer Flüsse. Eingezwängt zwischen Deichen seien sie vielerorts nur mehr auf Funktion justiert. Nach starken Regenfällen würden sie zum „Wasserjet“, der alles mitreißt, was im Wege steht. Ihr Fazit für unseren Umgang mit Flüssen: „Verstand einschalten und naturnah neu gestalten.“ Fasziniert von der Kraft des Wassers stellt die Schülerin Maylies Zündorff tänzerisch dar, wie sich ein Mensch von gesellschaftlichem Druck befreit und seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Die Möglichkeit auszubrechen wünscht sie sinnbildlich auch den Flüssen. Dazu passend besingt das Trio von Radio Niederbayern in der Ballade „Traumzeit“ das Plätschern der Isar im lauen Sommerwind, das unterbrochen wird vom Traum des Flusses, sich aus seinem Korsett zu befreien. Um einen Traum im weitesten Sinne geht es auch beim „Isar-DJ“. Christina Move‘inger wünscht sich, dass sie an der Isar ungestört ihre Zeitung lesen kann, ohne vom lautstarken Partyvolk belästigt zu werden. Theatralisch fordert sie: „Setz‘ deinen Kopfhörer auf oder geh nach Haus‘“.

 

Die Teilnehmer des WWF-Kleinkunstwettbewerbs "Am Fluss dahoam" (Foto: Gerhard Schmolke).

Mit dieser fulminanten Abschlussperformance neigt sich der Abend dem Ende zu. Die Jury und das Publikum haben die Qual der Wahl. Denn neben den Live-Auftritten sind auch noch Köpfe aus Isarkieseln und Marionetten aus Schwemmholz zu bestaunen. Um die Spannung zu steigern bittet Moderator Bumillo vor der Siegerehrung noch die Jurymitglieder zu einer kurzen Einlage auf die Bühne. Während Elena Hammerschmid einen scharfsinnigen Poetry Slam über Eileiter, Politik und Angela Merkel zum Besten gibt, besingen Hans und Jonas Well „Pfingsten dahoam“, als der Regen „ums Bierzelt schiasst“. Das Publikum ist begeistert, die Stimmung am Höhepunkt, da verkündet Bumillo endlich die Sieger des Abends. Das Rennen machen Christina Move’inger (3. Preis), die Idealen Opfer (2. Preis) und Paul Salmon & the Rheophonics (1. Preis). Den langanhaltenden Abschlussapplaus haben aber nicht nur die drei Gewinner, sondern alle Wettbewerbsteilnehmer verdient, die sich mit viel Engagement, Leidenschaft und Kreativität dem Thema „Fluss“ gewidmet haben.

 

Vielleicht hat der Abend bei Publikum, Jury und Künstlern eine positive Vorstellungskraft entfesselt, wie wir künftig mit unseren Flüssen umgehen wollen, um sie als Quelle der Inspiration und des Lebens zu erhalten. Wolfgang Hug, WWF Deutschland, gibt den Gästen mit einem Zitat von Leonardo da Vinci noch ein paar philosophische Gedanken mit auf den Weg: „Bei einem Fluss ist das Wasser, das man berührt, das letzte von dem, was vorübergeströmt ist, und das erste von dem, was kommt.“


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