Neuigkeiten

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Landwirtschaft und Naturschutz im Einklang


Am 22. Februar 2018 trafen sich Naturschützer mit 60 jungen Erwachsenen, die alle im landwirtschaftlichen Bereich tätig sind und gerade ihren Grundkurs zu Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Rhetorik und Kommunikation und Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Agrarbereich absolvieren, im Haus der Bayerischen Landwirtschaft. Der Workshop an diesem Donnerstag, betitelt mit dem Namen „Landwirtschaft und Naturschutz im Einklang“, bietet eine hervorragende Gelegenheit die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, die oft von Missverständnissen und Vorurteilen geprägt ist, zu verbessern und zu vertiefen. Repräsentiert wurde der Naturschutz an diesem Tag unter anderem durch Axel Schreiner, Leiter des Naturschutz- und Jugendzentrums Wartaweil, Mathias Fischer, Vertreter des WWF Deutschland, Margret Hütt, Diplom-Geografin und freie Umweltbildnerin und Dr. Christof Janko, Wildlebensraumberater bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

 

Am Morgen des 22.02.2018 trafen sich Jungbauern und Naturschützer zu einer Exkursion ins RAMSAR-Schutzgebiet Ammersee Südufer. Die  beiden RAMSAR-Schutzgebiets-Betreuer Christian Niederbichler, Franz Wimmer und  Reinhard Griesmeyer, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Ammersee, erläuterten die  Pflegemaßnahmen, die nötig sind um den Lebensraum von Kiebitz und anderen selten gewordenen Vogelarten zu erhalten. Auch viele Pflanzenarten, wie der Lungenenzian mit seinen spezialisierten Insekten benötigen einen besonderen Mahd-Zyklus und Schutzmaßnahmen um erhalten zu bleiben. Leider konnten kaum Vögel gesichtet werden, da die Witterungsbedingungen an diesem Morgen mit weit unter null Grad für das Vorhaben nicht ideal waren. Von den tiefen Temperaturen und dem kalten Wind unbeeindruckt, diskutierten die Jungbäuerinnen und –bauern interessiert mit den Naturschützern.

 

Dieses Interesse setze sich nach dem Mittagsessen im Haus der Bayerischen Landwirtschaft fort. Der Wildlebensraumberater Dr. Christof Janko zeigte in seinem Vortrag „Lebensräume für die Artenvielfalt – so läuft der Hase“ auf, welche Möglichkeiten es für einen  bäuerlichen Betrieb gibt, sich für die Biodiversität einzusetzen, ohne finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Regionale Berater informieren die Landwirte vor Ort. Anschließend teilte sich die Gruppe auf, um an vier Thementischen unterschiedliche Fragestellungen zu diskutieren.

 

Die erste Fragestellung geleitet von Mathias Fischer lautete: „Was könnte die Rolle des Landwirts/ der Landwirtin bei solchen Biodiversitätsprojekten sein? Wie könnte man es den Landwirt*innen erleichtern bei Naturschutzprojekten aktiv teilzunehmen?“. In der Diskussion stellte sich heraus, dass die meisten Landwirte gerne der Rolle als Schützer der Biodiversität gerecht werden würden, indem sie  z. B. Streuwiesen bewirtschaften, eine Fruchtfolge einführen oder einen Blüh- oder Gewässerschutzstreifen verwirklichen. Leider fehlen ihnen hierzu aber häufig das nötige Hintergrundwissen, die Zeit für zusätzliche Bürokratie und ausreichend hohe finanzielle Anreize von Seiten der Politik, damit es für sie auch wirtschaftlich rentabel bleibt.

 

Am zweiten Thementisch „Politik, Gesellschaft, Verwaltung und Landwirtschaft“, angeleitet und moderiert von Dr. Christof Janko, wurde deutlich, dass in der Landwirtschaft grundlegend zwar ein Wille und Interesse zur Beteiligung am Natur- und Artenschutz besteht, die bürokratischen Hürden für solche Maßnahmen aber meist zu hoch sind und die Bäuerinnen und Bauern oft wenig bis gar nicht zu diesen Themen beraten werden. Auch ein paar politische Forderungen wurden im Gespräch deutlich, z.B. die Anpassung der Honorierung der Agrarumweltmaßnahmen (AUM) an die lokalen Pachtpreise.

Viel diskutiert wurde auch am dritten Tisch, hier über das Image der Landwirtschaft und deren Verbesserungsmöglichkeiten mithilfe von Naturschutzmaßnahmen unter der  Moderation von Axel Schreiner. Alle Teilnehmer waren überzeugt, dass eine positive Einstellung der Bevölkerung zur Landwirtschaft wichtig ist. Zu erreichen ist dies nach der Meinung der jungen Erwachsenen aus dem Agrarbereich beispielsweise durch Hoftage, Schul- und Kindergartenbesuche, Posts in sozialen Medien und Feldrandbeschilderung zur Information von Passanten.

 

Am Thementisch von Margret Hütt wurde erörtert, ob die Regionalvermarktung ein Weg ist, weniger intensiv und damit naturschonender zu wirtschaften. In der Diskussionsrunde mit den Jungbauern im  letzten Jahr wurde deutlich, dass viele Landwirte durch die niedrigen Preise, die sie für ihre Erzeugnisse erhalten, gezwungen sind, ihre landwirtschaftliche Produktion zu intensivieren. Viele Beispiele zeigen, dass durch Regionalvermarktung mehr Geld beim Landwirt selbst bleibt und es sich für ihn lohnt, naturnäher zu wirtschaften. In der Diskussion zeigte sich, dass die Jungbauern, die bereits regional vermarkten, z.B. in Hofläden oder in regionalen Vermarktungsverbänden, durchweg positive Erfahrungen gemacht hatten. Allein der Milchautomat ist selten rentabel.  Bei den anderen Jungbauern, die nicht regional vermarkten, waren die Bedenken allerdings groß. Für manche Betriebe, wie große Bullenmastbetriebe ist eine Regionalvermarktung strukturell schwierig. Ein Jungbauer berichtete, dass es sich für ihn nun, da er einen Hofladen betreibt, auch Sinn macht einen Blühstreifen in Hofnähe anzulegen.

 

In einer Abschlussrunde wurden alle Ergebnisse präsentiert und es zeigte sich noch einmal, wie sehr sich nicht nur die Naturschützer sondern auch die jungen Landwirte für das Thema Natur-, Umwelt und Artenschutz interessieren und sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Um diesen Gedankenaustausch und den Kontakt zueinander fortzusetzen und die Kluft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu überbrücken, wurde bereits jetzt vereinbart, diese Veranstaltung auch im nächsten Jahr fortzusetzten.

 

Autor: Axel Schreiner, BUND Naturschutz in Bayern e.V.


Zurück

TOP