Mit vereinten Kräften für artenreiche Alpenflusslandschaften


Beate Jessel zu Besuch in Raisting (Foto: Lange / WWF)

Am Freitag, den 30. August 2019, besuchte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, das Hotspotprojekt „Alpenflusslandschaften“. In der Gemeinde Raisting informierte Sie sich darüber, wie Partnerschaften im Naturschutz gelebt werden und die Artenvielfalt im Ammer-Delta durch Pflege erhalten wird.

 

Martin Höck, Bürgermeister der Gemeinde begrüßte die Gäste und betonte: „In unserer Gemeinde leben nicht nur rund 2500 Menschen, sondern auch etwa 50 Störche.“ Dies zeige, so Höck, dass der Ort lebenswert sei, für Mensch und Tier. Nicht nur die vielen Schutzgebiete würden dafür sorgen, dass die Kulturlandschaft mit ihrer üppigen Fauna und Flora erhalten bleibt. Sondern auch die Einstellung: „Technischer Fortschritt, Landwirtschaft und Natur gehören zusammen“, so Höck. Alles habe seinen eigenen Stellenwert, die jeweiligen Interessen müssten einfach „unter einen Hut“ gebracht werden.

 

Wolfgang Hug (Bild: Lange / WWF)

Anschließend gab Wolfgang Hug, Leiter des WWF-Büros Wildflüsse Alpen, einen Überblick über das Hotspotprojekt, das seit Oktober 2014 vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bayerischen Naturschutzfonds im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt finanziert wird. Er verwies auf die 18 Partner aus Naturschutz, Verwaltung, Wirtschaft und dem Sozialbereich, die sich dafür einsetzen, Flussabschnitte zu renaturieren, typische Tier- und Pflanzenarten mit Pflege- und Besatzmaßnahmen zu fördern, und die Besonderheiten der Alpenflüsse zu vermitteln. Denn naturnahe Flusslandschaften sind selten geworden. Viele Flüsse wurden begradigt und eingedeicht – für die Energiegewinnung, den Hochwasserschutz und die Schaffung von Landwirtschafts- und Siedlungsflächen. Wer die Artenvielfalt der Alpenflusslandschaften erhalten will, muss sich daher mit vielen Akteuren zusammen an einen Tisch setzen und gemeinsam Ideen entwickeln. Hug verwies darauf, dass die Zusammenarbeit im Projekt immer wieder zur Konfliktlösung in der Region beitrüge, wie etwa an den Schleierfällen oder am Ammersee Süd. Für den Naturschutz an der Ammer gäbe es einige Erfolge zu vermelden, so Hug. Er schilderte, wie die Schutzgemeinschaft Ammersee erfolgreich Kleingewässer unterschiedlicher Größe und Tiefe etabliere und so ein Paradies für Laubfrosch, Bekassine und Sibirische Schwertlilie schaffen würde. Zudem verwies er auf die Planung des WWF für eine Deichrückverlegung an der Ammer bei Peiting. Diese sei nahezu abgeschlossen. Mit Umsetzung der Maßnahme würden etwa zehn Hektar Auenwald wieder an den Fluss angebunden. Bei der „Mitmach-Flora“ schärfe der LBV die Artenkenntnis von Ehrenamtlichen und ermutige sie, die Pflanzenarten um den Ammersee regelmäßig zu kartieren und in eine Karte einzutragen. „Derartiges Engagement wird das Projekt überdauern“, ist sich Hug sicher.

 

Beate Jessel (Bild: Lange / WWF)

Das Ehrenamt ist auch Beate Jessel wichtig. „Ohne die Mitwirkung Freiwilliger wäre es um den Naturschutz schlechter bestellt“, betonte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. Die Alpenflusslandschaften seien nicht nur für Bayern besondere Kostbarkeiten. Als wichtige Migrationskorridore würden sie auch überregional eine große Bedeutung haben. Bei der Mobilisierung von Ehrenamtlern leiste das Hotspot-Projekt ihrer Meinung nach Pionierarbeit. Maßstäbe würde das Projekt auch bei der Vernetzung regionaler Akteure setzen. „Wichtig für die Akzeptanz von Naturschutz ist es, Betroffene zu Beteiligten zu machen“, so Jessel. Dies gelänge beispielsweise beim Dialog des BUND Naturschutz mit Landwirten und Landwirtschaftsschulen.  

 

Auf den Flächen der Schutzgemeinschaft (Bild: Lange / WWF)

Nach den einführenden Worten im Sitzungssaal der Gemeinde Raisting, besichtigte die Gruppe die Maßnahmen der Schutzgemeinschaft Ammersee im Gelände. Die Führung übernahmen Rainhard Grießmeyer und Markus Layritz. Die Tour führte zu Kleingewässern, die geschaffen, und Gräben, die aufgeweitet wurden. Viele Arten profitieren von den Maßnahmen, insbesondere aber der Laubfrosch, der mittlerweile elf Biotope besiedelt und zur Laichzeit Spaziergänger und Anwohner mit seinem Gequake erfreut. Zum Abschluss gab es als Schmankerl noch den Schwalbenwurz-Enzian zu bewundern, der derzeit in voller Pracht blüht. Damit ging der fast hochsommerlich anmutende Ausflug auf die Flächen südlich des Ammersees zu Ende. Beate Jessel musste ihre Rückreise nach Bonn antreten.

 

Bericht von Sigrun Lange

 

Schwalbenwurz-Enzian (Bild: Lange / WWF)


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