Mittelschüler arbeiten für den Klimaschutz


Unter dem Titel „Biodiversität“ – pack ma’s!“ organisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Workcamps für Mittelschulen. Dabei wird den Kindern die Möglichkeit gegeben, Moorlandschaften in ihrer Heimat kennenzulernen und sich für deren Erhalt einzusetzen.

An zwei Vormittagen Anfang Oktober tauschte die 6 a der Mittelschule Penzberg das Klassenzimmer gegen das Breitfilz, ein Kleinod zwischen Penzberg und Breunetsried. Unterstützt wurde dieser "angewandte Naturschutz" durch die Lehrerin Tamara Mucha und die Organisatorin des Workshops, Margret Hütt. Fachmännisch angeleitet wurde die Gruppe vom Biologen und Moorspezialisten Dr. Helmut Hermann.

Wie viele heimische Moore, wurde auch das Breitfilz in der Vergangenheit von Gräben durchzogen, um es zu entwässern und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Trotz dieser Eingriffe leben im Breitfilz noch immer viele moorspezifischen Pflanzen und Tiere. Viele davon stehen heute auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere. Durch Maßnahmen, wie dem Zuschütten der Gräben, wird das Moor heute wieder vernässt, um diesen überaus seltenen und schützenswerten Lebensraum möglichst in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen.

 

Am ersten Vormittag erkundeten die Schülerinnen und Schüler unter Leitung von Dr. Helmut Hermann zunächst ihr Arbeitsgebiet. Mit Planen, Scheren und Motorsägen ausgestattet, stapften sie bei herrlichem Herbstwetter ins Breitfilz. Nach einer Einführung in die Entstehung des Moores und ihrer Bedeutung als Kohlendioxid-Speicher für den Klimaschutz, ermittelten sie mit Hilfe einer Sonde die Mächtigkeit des Moores: immerhin stolze 4,5 Meter. Unscheinbar klein und fleischfressend - fasziniert betrachteten die Sechstklässler den Rundblättrigen Sonnentau. Etwas Mut war gefragt, als die Kinder in einem alten Graben ein Exemplar der Gerandeten Jagdspinne entdeckten, und Dr. Hermann sie aufforderte, die relativ große Spinne auf die Hand zunehmen. Dank seiner Zusicherung, dass alle heimischen Spinnen nicht in der Lage sind, die menschliche Haut zu durchbeißen, fanden sich bald viele, die sich trauten, diese Jagdspinne zu berühren.

 

Nach einer zünftigen Brotzeit, wartete der erste praktische Einsatz. Am stark entwässerten Rand des Breitfilzes, wo früher oft Torf gestochen wurde, ist bereits Wald entstanden, der sich zunehmend ins Moor ausbreitet. Eine wichtige Maßnahme zur Renaturierung des Moores ist es, die aufkommenden Fichten und Waldkiefern zu entfernen. Dr. Hermann erklärte den Kindern den Unterschied zwischen Spirke und Waldkiefer- dunkler und blaugrün die eine, gelblicher und mit rotem Stamm die andere. Voller Eifer stürzten sich die Schüler auf die Arbeit, schnitten die kleinen Waldkiefern und Fichten um und schleppten sie zum Sammelplatz.

 

Am zweiten Vormittag stand die Praxis im Vordergrund. Um einen Entwässerungsgraben zu verschließen, mussten drei Dämme gebaut werden. Die dafür benötigten Pfosten aus frisch geschlagenen Kiefernholz waren schwer, und der Weg durchs Moor beschwerlich. Hier war Teamarbeit gefragt, ebenso beim anschließenden Einschlagen der Pfosten. Vergessen war das trüb-kalte Wetter mit leichten Regenschauern, und mit zunehmendem Arbeitserfolg wuchs die Motivation. Es wurde eimerweise Torf in die Schubkarren gefüllt, die dann mit vereinten Kräften durch das Moor zum Graben gezerrt wurden. Nachdem die Pfosten eingeschlagen waren, musste der Graben gesäubert werden. Erst dann konnte der Torf eingefüllt und festgestampft werden. Durstig geworden, genossen die Schüler die Erfrischung, die Dr. Hermann spendierte. Stolz, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Natur geleistet zu haben, machte sich die Gruppe anschließend auf den anstrengenden Weg zurück, und genoss dennoch noch einmal die unvergleichliche Stimmung im Hochmoor. Für diese Kinder ist der Begriff "Moor" nun mit gemeinsamen Erfahrungen und Stolz verbunden, haben sie doch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt ihrer Heimat geleistet.

 

Wer sich für die Aktion interessiert, kann die kleine Ausstellung im Flur der Mittelschule Penzberg besuchen, die die Kinder zusammen mit Tamara Mucha gestaltet haben.


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