Neues Gesicht: Lech-Rangerin


Patrizia Majowski, Biogeografin

Es tut sich was am Weilheim-Schongauer Lech. Seit Mitte April ist wieder eine Lech-Rangerin, die 32-jährige Biogeografin Patrizia Majowski, für den Lebensraum Lechtal e.V. unterwegs. Ihr Hauptgebiet ist die Litzauer Schleife - die wichtigste der verbliebenen Fließstrecken am bayerischen Lech.

 

Ihr Hauptgebiet ist die Litzauer Schleife - die wichtigste der verbliebenen Fließstrecken am bayerischen Lech.

„Die enorm positive Resonanz des „Lech-Ranger-Tests“ in 2016 machte die Entscheidung einfach, die Stelle möglichst bald zu verstetigen“, so Harald Jungbold, der am Lech Ansprechpartner für das Verbundprojekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ ist. Damals war es Johannes Karrer der für den Lebensraum Lechtal e.V. als Lech-Rangers tätig war.

 

Und genau so positiv scheint es nun weiter zu gehen. Bereits in den ersten Wochen ihrer Arbeitszeit hat es sich wohl schon herumgesprochen, dass wieder eine Lech-Rangerin zur Verfügung steht. So erhielt die Biogeografin Majowski Anfragen von Anwohnern, Vereinen und Behörden zu verschiedenen Themen am Lech. „Es gibt großes Interesse nach einer Person, die direkt vor Ort unterwegs ist, Fragen beantwortet, Bestandsaufnahmen durchführt, Besucher lenkt und informiert, oder sich gegebenenfalls in Kooperation mit engagierten Anwohnern um die Müllverschmutzung kümmert“, sagt die Lech-Rangerin Patrizia.

 

Dabei ist ihr wichtig, dass neben der Einhaltung der Schutzbestimmungen, Anwohner ihr „Recht“ nach Erholung und Freizeit an ihrem Lech behalten und das Bedürfnis von Touristen und Interessierten nach Gleichem gestillt wird. Gleichzeitig müssen bei steigenden Zahlen an Freizeitbesuchern immer wieder Kompromisse zwischen Schutz- und Erholungsgebieten geschlossen und eingehalten werden. Nicht umsonst hatte sich der erste amtliche Naturschützer Prof. Dr. Otto Kraus mit Herzblut und einem Bündnis aus Anwohnern, Wissenschaftlern und Naturschützern für den Erhalt dieser Natur und gegen die Verbauung der Litzauer Schleife (die nicht gebaute Staustufe 5) zur Wehr gesetzt.

 

„Trotz des isolierten Kleinods der Litzauer Schleife inmitten einer Staustufen-Kette, gibt es an dieser Teilstrecke wunderbare Möglichkeiten die faszinierende Seite der Natur zu erleben. Und darüber hinaus lassen sich traditions- und artenreiche Landschaften sowie eine unglaublich beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt entdecken.“, schwärmt die Lech-Rangerin. Diese Eindrücke möchte sie gerne den Menschen zeigen und vermitteln, um Verständnis werben und Ersatzplätze aufzeigen, wenn man sich aus Unwissenheit am Brutplatz des Fluss-Regenpfeifers sonnt oder dort feiert, damit die gut getarnten Gelege dieser seltene Vogelart nicht zerstört und die Eltern nicht vom Nest verscheucht werden.

 

Sie ist überzeugt, dass es am Lech für alle Platz gibt, wenn man das Seltene und zu Schützende erkennt, honoriert und mit Respekt behandelt. „Diese Arbeit ist immens wichtig, damit auch zukünftige Generationen die Landschaften am Lech (z.B. schütter bewachsene Kiesbänke, Lechfeldheiden, Schneeheide-Kiefernwälder), mit ihren besonderen Bewohnern wie seltene Orchideenarten und einer Vielzahl an Wildbienen und anderen Insekten, noch erleben können“, so Harald Jungbold. Da in vielen Bereichen die Beweidung zurückgegangen ist und die Wildflussdynamik fehlt, sind zum Erhalt dieser Landschaften Pflegemaßnahmen für unsere alten und vor allem artenreichen Kulturlandschaften notwendig. In diesem Zusammenhang bietet der Verein Lebensraum Lechtal den motivierten und kooperierenden Landwirten durch den Gebietsbetreuer fachliche Beratung und durch die Lech-Rangerin, welche Erfahrung in der Arbeit im Holz und im Gartenlandschaftsbau hat, praktische Hilfe an. Denn Landschaftspflegemaßnahmen, welche die „alten“ Landschaften erhalten und fördern sollen, erfordern oft ein Mehr an körperlicher Arbeit, wie zum Beispiel das Mähen mit dem Balkenmäher oder den Zaunbau in schwer zugänglichem Gelände.

 

Aber es wird zum Teil auch mit großem Gerät angerückt, wenn Kiesbänke aufgeschüttet oder Fichten abgeholzt werden. Wieso und weshalb solche Maßnahmen sinnvoll sind beantwortet ihnen die Lech-Rangerin vor Ort oder telefonisch. Hier soll nur kurz erwähnt werden, dass der Lech als Biotopbrücke für verschiedene Arten im Vergleich zu anderen dealpinen Flüssen des nördlichen Voralpenlandes eine herausragende Stellung einnimmt. Den der Lech verbindet zwei Teilareale mit gleichem (basischen) Ausgangsgestein, die Alb und die nördlichen Kalkalpen über die Kalkschotter des Lechtals miteinander. Zudem verknüpft der Lech Teilareale alpiner, kontinentaler und mediterraner Pflanzenarten und dient als Ausbreitungs- und/oder Ansiedlungsareal. Es gibt sogar Lech Spezialisten, welche sich an extreme Lebensräume angepasst haben und so an den (natürlicherweise immer wieder überfluteten) Kiesbänken überleben können. Dazu gehören die Deutsche-Tamariske, Sandlaufkäfer oder Alpenschwemmlinge, wie das Kriechende Gipskraut, die Zwerg-Glockenblume und das Alpen-Leinkraut.

 

Es ist und bleibt also spannend am Lech! Hierzu erwähnt die Lech-Rangerin: „Auch in Zukunft muss man sich für den Lech und seine Schätze einsetzen. Aktuell vor allem durch die in naher Zukunft auslaufenden Konzessionen der Staustufen. Dies birgt die großartige Möglichkeit bestehende Kraftanlagen nach ökologischen Maßgaben und eine höhere Effizienz hin umzubauen und damit verbunden, vor allem die biologische Durchgängigkeit zu gewährleisten. Denn zurzeit gibt es von den 30 bestehenden Wasserkraftanlagen nur zwei mit intakter Fischtreppe (bzw. Umgehungsgerinne) und das auch nur flussaufwärts. Moderne Kraftwerkstypen mit Geschiebedurchgängigkeit bei Hochwasser und einer erhöhten fischfreundlichen Anströmfläche vom Oberlauf in den Unterlauf könnten für eine intaktere Flusslandschaft sorgen. Mit Fachexperten und Politikern muss jetzt über diese Möglichkeiten und die weitere Zukunft der Kraftwerke und ihren auslaufenden Konzessionen diskutiert werden. Dazu hat Alfred Gößmann (Biologe) verschiedene Vereine und Personen aufgerufen, sich Gedanken für eine Lech-Ausstellung in Schongau mit Podiumsdiskussionen und Fachbeiträgen zu machen“.

 

Wenn sie Fragen zu diesem oder anderen Themen oder Anregungen für die Lech-Rangerin Patrizia Majowski haben, können Sie sie telefonisch unter der Nummer 0174 8811 636 erreichen oder persönlich bei ihr vorbei schauen. Das Büro befindet sich in Schongau in der Christophstraße 13 und wird zusammen mit dem Projektmanager Harald Jungbold besetzt.

Bürozeit Lech-Rangerin: Mittwoch 10.00 – 16:00 Uhr (oder nach Vereinbarung)

 


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