Poesie in der Natur


Von Pouline Rohde und Sigrun Lange (WWF Deutschland)

 

Naturerleben in Verbindung mit Kunstgenuss erwartete die knapp 60 geladenen Gäste, die sich an einem Freitagnachmittag Ende Juni am Wanderparkplatz bei Peiting trafen, um gemeinsam an die Ammer zu spazieren und dort eine Lesung mit Anton Kirchmair zu genießen. Eingeladen zu diesem besonderen Event hatten die Bayerischen Staatsforsten, die Fischergilde und der WWF Deutschland. Angeregt wurde die Veranstaltung von Hans-Peter Schöler, dem Forstrevierleiter aus Böbing mit Sinn für Kultur. Schöler, auch 1. Vorsitzender im „ausstellwerk huglfing“, kennt den bildenden Künstler Anton Kirchmair aus dem Bayerischen Wald schon länger. Er weiß, dass man ihm gerne zuhört, wenn er über das Leben, die Liebe und die Natur spricht und singt. Die geladenen Gäste ließen sich in der engen, aber gemütlichen Forsthütte nieder und lauschten den Texten und Liedern, die Anton Kirchmair zusammen mit Konstanze Fischer darbot. Das hat viele nicht nur begeistert und zum Mitsingen veranlasst, sondern emotional berührt.

 

 

Die Veranstaltung begann mit einer anderthalbstündigen Führung vom Wanderparkplatz durch den Wald hinunter zum Fluss und weiter zur Forsthütte. Hans-Peter Schöler (BaySf) thematisierte die Zusammensetzung seiner Wälder und erläuterte, warum im Wald Überreste des früheren Bergbaus in Peiting zu finden sind. In den Ammerleiten wurde nämlich über Jahrzehnte hinweg Haldenmaterial gelagert. Dieses rutschte in den 1960er Jahren in die Ammer ab und führte in Folge zu einer Verlegung und Begradigung der Ammer. An dieser Stelle übernahm Sigrun Lange (WWF) und erklärte auf Höhe des Altwassers, wie der Verbau der Ammer künftig wieder rückgängig gemacht werden könnte. Denn aktuell plant der WWF Deutschland in Kooperation mit dem Wasserwirtschaftsamt und den BaySf eine Renaturierung, mit Hilfe derer die Ammer hier wieder mehr Raum für dynamische Prozesse erhalten sollte. Damit könnte im Idealfall das Schnalzwehr, das auf dem Weg passiert wurde, bald überflüssig werden. Abschließend wies Johanns Schnell (Fischergilde) auf die verschiedenen Fische in der Ammer hin und reichte einige Schaubilder mit den wichtigsten Arten an die Gäste. Besonders interessiert waren die Teilnehmer auch an dem vom Biber frisch abgenagten Baumstamm, der am Wegesrand zu sehen war.

 

 

Hungrig und mit Vorfreude auf die anstehende Lesung ging es weiter zum Schnalzhaus, wo der gemütliche Teil des Abends begann. Den Schock, dass ausgerechnet an diesem Tag die bunten Blumenwiesen um die Hütten frisch gemäht wurden, verdauten die Gäste bei geräucherten Renken aus dem Chiemsee (von der Fischergilde gesponsert) und köstlichem Reh (von Förster Schöler zuvor persönlich geschossen, aus der Decke geschlagen und anschließend von Jürgen Schmid verarbeitet).

 

Nach dem kulinarischen Teil des Abends versammelten sich alle in der kleinen Forsthütte, um gebannt der Lesung von Anton Kirchmair zu lauschen. Mal ernsthaft, mal heiter, mal laut, mal leise erzählte Kirchmair von seinen Begegnungen, von Wilderern und Förstern, von der Sehnsucht, der Liebe und dem Fluss. Fast sinnlich spürbar erschien den Teilnehmern Kirchmairs Versuch, mit der bloßen Hand einen Fisch zu fangen. Es gelang dem Künstler, die Schönheit der umgebenden Natur mit spannenden Geschichten zu verbinden und dabei die vielen anwesenden Spezialisten, seien sie nun Fischer, Förster oder Naturschützer, auf eine ganz neue Art und Weise zu erreichen und emotional zu berühren. Heiter mitgesungen wurde bei Liedern wie „My Bonnie“ (The Beatles) und „Love Me Tender“ (Elvis Presley), welche von Toni Kirchmair (Akkordeon) und Konstanze Fischer (Gesang) begleitet wurden. Traurig wurde es dann bei einem Lied über den Tod, das einem erst kürzlich verstorbenen Mitglied der Fischergilde gewidmet war.

 

Der Sommerabend war gelungen, da waren sich alle einig: Eine informative Wanderung durch den Wald und entlang des Flusses, schmackhaftes Essen mitten in der Natur, berührende Geschichten und fröhlicher Gesang – es wird wohl nicht die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein.

Ein herzlicher Dank ergeht an die Kollegen der Fischergilde und die Bayerischen Staatsforsten für ihr Engagement und die Bereitstellung der Räumlichkeiten.


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