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Redynamisierung Litzauer Schleife - was macht Sinn?


Ergebnisse einer Computersimulation

Dem Lech fehlt Kies, dem Lech fehlen seine mächtigen Hochwasser. Das wussten wir bereits. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation an der Litzauer Schleife konnte man anhand dieser beiden Aussagen bisher jedoch nicht planen. Jetzt hat das Unternehmen sje Ecohydraulic Engineering GmbH die Situation an der Litzauer Schleife mit Hilfe eines Computermodells untersucht. Unterschiedliche Szenarien an Kieszugaben und Hochwasserereignissen wurden simuliert. Aufbauend auf den Analysen können nun effektiv Maßnahmen geplant werden.

 

  • Die aktuelle Dynamik im Lech ist geprägt durch viele starke Abflussschwankungen, die aus den häufigen Schwallereignissen resultieren (der Schwallbetrieb erfolgt durch die Kraftwerksbetreiber zur Deckung des Spitzenstrombedarfs).
  • Bei Abflüssen bis 160 m³/s (Maximalschwall) findet kein wesentlicher Geschiebetransport (mehr) statt. Bei natürlichen Hochwässern werden kleinere Kiesfraktionen aus der Substratdeckschicht ausgetragen und stromabwärts transportiert. Im oberen Teil der Litzauer Schleife sind daher nur noch geringe Anteile von Fein- und Mittelkies vorhanden, im unteren Teil gibt es noch kleinere Kiesfraktionen.
  • Es existieren vegetationsfreie Kiesbänke an der Litzauer Schleife. Diese sind jedoch nicht auf Geschiebeumlagerungen zurückzuführen, sondern auf die häufigen Überflutungen durch den Schwallbetrieb. Sie liegen im direkten oder indirekten Einflussbereich des Schwallbetriebes und werden teilweise sogar zweimal pro Tag überschwemmt. Durch die häufige und gleichmäßige Wasserüberströmung beim Schwallbetrieb wurde das Sediment über die letzten Jahrzehnte „sortiert“. Korngrößen kleiner ca. 6cm Durchmesser wurden im Laufe der Zeit abtransportiert, während Korngrößen > ca. 6cm Durchmesser am Standort geblieben sind.
  • Analysen von Querprofilen aus den letzten 60 Jahren zeigen, dass noch Umlagerungen stattfinden, aber vermutlich nur im Zusammenhang mit großen bettbildenden Hochwässern (HQ50 und größer). Eine Langzeitdynamik (Jahrzehnte) ist demnach noch vorhanden, eine Kurzzeitdynamik (Jahre/Jahreszeiten) ist dagegen weitgehend unterbunden.

 

Die Folgen dieser durch den Menschen veränderten Standortbedingungen sind vielfältig. Keine Pflanzenart ist an solch ausgeprägte Wasserstandsschwankungen wie die des Schwallbetriebes angepasst. Dies ist unter anderem der Grund dafür, weshalb am Lech kaum Röhrichtbestände (Phragmites australis) zu finden sind. Durch den Abtransport der kleineren und den Verbleib der größeren Kieselsteine, wird kaum Wasser auf den Kiesinseln gespeichert. Dies verhindert die Keimung und den Aufwuchs von bedrohten Arten wie der Deutschen Tamariske (Myricaria germanica). Würden Wurzelstrünke auf die Kiesbänke gelegt, könnten Tamarisken im Strömungsschatten besser keimen. Auch eine Verringerung der momentan zulässigen Schwallabflüsse (von ca. 160 m³/s auf ca. 120 m³/s) würde dazu führen, dass einige Flächen auf den Kiesinseln trocken bleiben und daher eine Ansiedlung von Vegetation möglich wird.

Kieszugaben besser als „ökologische Flutungen“

Die Analysen zeigen, dass bei den aktuellen Korngrößen (> 6 cm) Sedimentbewegungen erst ab Abflüssen über HQ5 zu erwarten sind. Derart hohe Abflüsse lassen sich aber nicht über „ökologische Flutungen“ (zielgerichtet eingesetzte Abflusserhöhungen) einstellen. Kieszugaben scheinen daher besser geeignet, um verloren gegangene Lebensräume am Lech künstlich wiederherzustellen. Damit würde lokal wieder eine gewisse Geschiebedynamik erzeugt, die bedrohte Arten wie die Deutsche Tamariske oder den Flussregenpfeiffer begünstigt. Sinnvolle Maßnahmen an der Litzauer Schleife wären:

  • Zugabe von Geschiebe mit Korngrößen unter 6 cm auf Kiesinseln mit einer Frequenz von 1 bis 2 Jahren, damit das Kiesinsel-Sediment < 6cm beim nächsten großen Hochwasser dann wieder zur Flussbett- und Kiesinselneugestaltung zur Verfügung steht;
  • Entfernen der verfestigenden Vegetation im Bereich der 180°-Krümmung für den Fall, dass dort Geschiebe mit Korngrößen unter 6 cm vorhanden ist;


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