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Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Think Big!


Das Flussfilmfest am 17./18.2.2018 in München inspiriert seine Gäste

 

Zwei Tage lang bot das Flussfilmfest München im Gasteig seinen Gästen in etwa 20 Filmbeiträgen Information und Inspiration rund um das Thema Flüsse. Etwa 450 Besucher bangten mit dem Flößer Fikret Pendek, der seine Last vorsichtig durch die gefährlichen Schluchten der Tara in Montenegro manövrierte, amüsierten sich über die Trippelschritte der Flussregenpfeifer auf den Kiesflächen der Isar oder betrachteten mit Sorge die negativen Auswirkungen eines Staudammbaus in Äthiopien. Die Veranstalter WWF Deutschland (im Rahmen des Projekts Alpenflusslandschaften – „Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“), Grüne Liga und Stiftung Living Rivers ziehen eine positive Bilanz für das Flussfilmfest 2018. Die Veranstaltungen waren (bis auf eine) ausverkauft, die Resonanz sehr positiv. „Wir freuen uns, dass sich das Flussfilmfest immer mehr zu einem Treffpunkt und Diskussionsforum für Flussfreunde aller Art entwickelt“, so Sigrun Lange vom WWF Deutschland.

 

Es lohnt sich, groß zu denken und die Hoffnung nicht aufzugeben. Mit diesem Gefühl verließen die Gäste am Sonntagabend das Flussfilmfest München. Im Abschlussfilm „Return of the River“ wurden sie Zeugen, wie im Jahr 2011 zwei große Dämme gesprengt wurden. Diese hatten den Elwha River auf der Olympic-Halbinsel im US-Bundesstaat Washington jahrzehntelang aufgestaut. Mittlerweile können die Lachse dort wieder ungehindert zum Meer und zurück wandern. Gleichzeitig haben amerikanische Ureinwohner Teile ihrer angestammten Gebiete zurückerhalten.

 

Derartige Projekte machen Mut. Mut, der notwendig ist, um sich weltweit für lebendige Flüsse einzusetzen. Und um beispielsweise dem Kraftwerksboom zu begegnen, der derzeit auf dem Balkan zu beobachten ist. Insgesamt 2800 Wasserkraftanlagen sind zwischen Slowenien und Albanien geplant, berichtet Ulrich Eichelmann von Riverwatch in dem Film „Una – the One“, viele davon auch in ausgewiesenen Schutzgebieten. Gabriel Singer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei warnte bei der Diskussion im Gasteig vor den dramatischen ökologischen Folgen, die eine Verwandlung noch intakter Flüsse wie der Vjosa in Albanien oder der Una in Bosnien-Herzegowina in Stauseen zur Folge haben würde. Mit Christine Margraf vom BUND Naturschutz in Bayern und Manfred Rosenberger vom Nationalpark Donau-Auen in Österreich war er sich darin einig, dass Ökotourismus in naturnahen Flusslandschaften eine weitaus größere und nachhaltigere Wertschöpfung für die Gesellschaft bietet, als die energetische Nutzung.

Die Una in Bosnien-Herzegowina (© Jonas Borinski)

Der Nationalpark Donau-Auen zwischen Wien und Bratislava konnte 1996 nur eingerichtet werden, weil bürgerschaftliches Engagement den Bau eines geplanten Wasserkraftwerks bei Hainburg verhindert hat. In emotionalen Bildern zeigt der Film „Widerstand am Strom“ die dramatische Auwald-Besetzung im Winter 1984. Das Aufbegehren der Bevölkerung hat letztendlich den Kraftwerksbau verhindert und ein letztes Stück frei fließende Donau in Österreich erhalten. Hier tummeln sich heute Fischotter, Biber, Seeadler und Co. Für Rosenberger, der diese bewegende Zeit miterlebt hat, war entscheidend für den Erfolg, dass der Widerstand von vielen unterschiedlichen Gruppen mitgetragen wurde – vom Banker bis zum Landwirt. Naturschutzgruppen auf dem Balkan empfiehlt er, den Humor nicht zu verlieren und den Menschen in den jeweiligen Regionen auf Augenhöhe zu begegnen, ohne sie belehren zu wollen.

 

Dass der Dialog zwischen den Interessengruppen wichtig sei, betonte auch Theodor Reumschüssel von Uniper in der Diskussion um die Wasserkraftnutzung an der Isar. Die Ableitung des Isarwassers bei Krünsei vertretbar, so Reumschüssel. Denn die Kraft dieses Wassers würde mehrfach genutzt, nicht nur im Walchenseekraftwerk. Filmemacher Jürgen Eichinger kritisierte dagegen, dass die Flusslandschaft oberhalb des Sylvensteinspeichers durch die Wasserableitungen immer mehr in ein Korsett aus Weidengebüsch und Wald gezwungen wird. Auch der Landesfischereiverband Bayern steht Wasserkraftwerken kritisch gegenüber. Neue Anlagen sollten in Bayern nicht mehr genehmigt werden, meinte Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbandes. Für die Optimierung bestehender Anlagen sei man jedoch im Gespräch mit Uniper, bekräftigte Johannes Schnell.

Welche Veränderungen in den nächsten Jahren an unseren Flüssen stattfinden werden, ist nicht absehbar. Wenn das Flussfilmfest München jedoch dazu beigetragen hat, miteinander in Dialog zu treten und den Mut zu fassen, groß zu denken, um unsere Flüsse lebendiger zu gestalten, dann hat es sich gelohnt!

 

Autorin: Sigrun Lange, WWF Deutschland


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