Neuigkeiten

Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze

Riverwalk der WWF-Jugend an der Ammer


Die Teilnehmerinnen der WWF Jugend und Martin Kleiner vom BUND Naturschutz (Foto: Christian Kröck)

Hier geht´s zum Film über den Riverwalk der WWF Jugend 

 

Bericht von Franziska Losse, WWF Jugend: 

Als wir uns am 8. August in Oberammergau auf dem Sportplatz trafen, hatten wir alle einige Stunden Zugfahrt hinter uns und waren entschlossen, unser noch weit entfernt scheinendes Ziel zu erreichen: In 10 Tagen über 110 Kilometer entlang der Ammer zu wandern, von den Bergen zum Ammersee.

 

Schon die erste Nacht wurde zur Bewährungsprobe – für uns aber auch für unser Tarp, denn es begann recht heftig zu regnen. Und damit tauchten die ersten Probleme auf: Wasser lief auf unsere Bodenplane, an einigen Stellen tropfte es von oben und der Wind sorgte dafür, dass der Regen auch ins Innere geweht wurde. Nach einigen Reparaturen blieben wir in dieser ersten Nacht aber relativ trocken und konnten unsere Wanderung am nächsten Tag zu den großen Ammerquellen gut gelaunt und auch wieder mit schönstem Sonnenschein starten. Es wurde nur eine kurze erste Etappe und so hatten wir nachmittags auf dem Sportplatz genug Zeit, uns weitere Lösungen gegen den Regen einfallen zu lassen. Denn der nächste Wolkenbruch war bereits abzusehen. Glücklicherweise blieben wir in der zweiten Nacht trocken. Nicht nur diejenigen, die in der Umkleidekabine schliefen, sondern auch diejenigen, die draußen blieben.

 

Am Freitagmorgen war leider wieder kein Sonnenschein in Sicht, als wir unser Gepäck packten und die erste „richtige“ Etappe auf unserem Weg antraten, immer in Richtung Ammersee. Komplett nass und auch nicht mehr besonders motiviert kamen wir am Ziel der ersten Etappe in Unterammergau an. Auf dem kurzen Wegstück wurde bereits die Wasserfestigkeit unserer Ausrüstung auf die Probe gestellt. Alles Wichtige blieb zum Glück trocken und wir freuten uns auf ein warmes Plätzchen in der Grundschulturnhalle. Die Zeit drinnen währte aber nur kurz, denn am Nachmittag stand noch das Treffen mit Martin Kleiner – Sprecher einer Ortsgruppe vom Bund Naturschutz – an. Martin erzählte uns viele Details über das artenreiche Feuchtgebiet im Pulvermoos. Die Ammer wurde hier zwischen Ober- und Unterammergau begradigt. Eine aus Naturschutzsicht eigentlich sinnvolle Renaturierung der Ammer würde aber zu einer starken Veränderung der Vegetation im Pulvermoos führen und wohl auch zum Verschwinden einiger sehr seltener und streng geschützter Arten. Ein schwer zu lösender Interessenskonflikt.

 

Aber das ist nicht das Einzige, was den Naturschutz an der Ammer im Oberlauf beschäftigt: Auch die Landwirtschaft und ihre Auswirkungen auf den Fluss wurden thematisiert. Martin erzählte uns von der Ammer-Allianz, einem Zusammenschluss unterschiedlichster Organisationen, die sich schon lange für den Erhalt einer natürlichen Ammer einsetzen. Nach diesem Input am Fluss ging es zurück in den Ort, wo sich unsere Gruppe wiederum aufteilte – einige schliefen in der Turnhalle, andere bevorzugen einen Platz draußen auf dem Schulhof.

 

Am nächsten Morgen begrüßten uns die nebelverhangenen Gipfel. Wir packten unsere Sachen zusammen, denn für diese Etappe hatten wir uns mehr vorgenommen, als an den vorherigen Tagen. Bis nach Bad Bayersoien sollte es gehen. Auf dem ersten Abschnitt bis nach Altenau ging es recht fix. Dann verliefen wir uns im Ort, fanden aber letztlich doch wieder heraus. Wir genossen die wunderschönen grünen Hügel mit den Alpen im Rücken. Immer rauf und runter ging es so bis an eins der beiden Wasserkraftwerke an der Ammer, das Kammerl. Unmittelbar daneben machten wir unsere erholsame und recht lange Mittagspause, bevor wir die Ammerschlucht erkundeten. In der Schlucht trafen wir uns mit Gerhard Hofauer, Naturschutzwart an der Ammer. Während wir gemeinsam zur Soier Mühle wanderten, erzählte er uns einiges über die Gegend, seine Aufgaben als Naturschutzwart, welche Probleme die vielen Touristen mit sich bringen und welche ganz besonderen Naturschätze es in der Gegend gibt. An einer nicht mehr bewirtschafteten Mühle mit schön anzusehendem kleinem Wasserfall machten wir eine weitere Pause, bevor es dann wieder aus der Schlucht hinaus nach Bad Bayersoien ging. Dort trafen wir am Abend Bürgermeisterin Gisela Kieweg und Susanne Lengger vom Tourismusverband Pfaffenwinkel. Mit beiden redeten wir über den Tourismus an der Ammer und über Ideen, Freizeitnutzung und Naturschutz in Einklang zu bringen. Außerdem erhielten wir noch Tipps für besondere Highlights an der Ammer. Beide rieten uns davon ab, die Ammerschlucht mit den schweren Rucksäcken zu erwandern. Hilfsangebote kamen von allen Seiten. Letztlich vereinbarten wir mit dem Film-Team, dass sie unsere Rucksäcke transportieren würden. Voller Eindrücke und die Gespräche noch im Ohr, legten wir uns dann am See unter unser Tarp zum Schlafen.

 

Die Nacht war trocken, aber kalt und so waren wir froh, dass uns die Sonne am nächsten Morgen wärmte und wir einen kurzen Tag vor uns hatten. Es blieb noch ein bisschen Zeit, um den Barfußpfad am Bayersoier See zu absolvieren und im Moorsee zu schwimmen. Die Tagesetappe führte uns dann über die Echelsbacher Brücke nach Rottenbuch, wo wir unser Lager auf dem Campingplatz aufschlugen und uns einen ruhigen Abend machten, bevor dann am folgenden Montag eine weitere Etappe nach Hohenpeißenberg anstand. Diese konnten wir aber zum Glück ohne Rucksäcke bestreiten und so ging es ganz entspannt in die Ammerschlucht hinein. Wundervoll, mal höher und mal weniger hoch über der Ammer, liefen wir bis zum Kalkofensteg, wo wir uns mit Mathias Fischer vom WWF-Büro Weilheim trafen. Er erzählte uns einiges zur geplanten Renaturierung der Ammer an der Schnalz. Auch Gerhard Hofauer schaute noch einmal vorbei und fügte Details zum Schnalzwehr hinzu.

 

An der Schnalz mit Gerhard Hofauer und Mathias Fischer, WWF (Foto: Christian Kröck).

Als wir gerade damit fertig waren, die Experten zu löchern und die Filmaufnahmen zu beenden, fielen schon die ersten Tropfen vom Himmel. Auch Donner war zu hören. Nichts wie los nach Hohenpeißenberg also. Ein Teil unserer Gruppe wurde mit Gepäck bis dorthin mitgenommen, während andere weiter zu Fuß unterwegs waren. Nass waren wir an diesem Abend letztlich alle. Glücklicherweise konnten wir im Haus der Vereine im Warmen und Trockenen schlafen. Der Regen verzog sich über Nacht leider nicht und so starteten wir auch die Etappe am 14. August unter grauen Wolken am Hohen Peißenberg entlang. Nach dem rutschigen Abstieg nach Peißenberg, riss der Himmel jedoch wieder auf und so konnten wir den restlichen Tag auf dem Zeltplatz an der Ammer in Peißenberg nutzen, um unsere Sachen zu trocknen und noch am Fluss zu entspannen. Nach der Übernachtung wurde unser Tarp von den anderen Campern beäugt. Nachdem wir Fragen wie „Schlaft ihr da drunter? Friert ihr nicht? Und wird man nicht nass?“ beantworten mussten, ging es dann den gesamten Mittwoch bis nach Weilheim wieder am Fluss entlang. In Weilheim fanden wir bei den Pfadfindern Unterschlupf. Wir konnten uns nochmal erholen, bevor am nächsten Morgen schon die letzte und auch längste Etappe des gesamten Riverwalks anstand.

 

Knappe 20 Kilometer wollten wir bis nach Riederau meistern. Nach dem Training von über einer Woche lief es sich bis zur Mittagspause extrem gut. Es war der Tag, an dem wir am schnellsten vorankamen. Dank vieler guter Gespräche, aber auch lustiger Spiele verging die Zeit schnell. Im schönsten Sonnenschein ging es auch nach der Pause flott voran.

 

Und dann waren wir endlich da. Am See. Am Ziel. Über 110 Kilometer nach dem regenreichen Start standen wir bei schönstem Sommerwetter knietief im Ammersee, die Rucksäcke längst abgelegt. Am Horizont erkannten wir noch die Alpen. Wir haben es nicht nur geschafft, so weit zu laufen, wir sind auch als Gruppe zusammengewachsen. Nach einer ersten Abkühlung im See, kamen Sigrun Lange und Wolfgang Hug aus dem WWF-Büro in Weilheim zum Abschied vorbei. Letzte Aufnahmen wurden gedreht und wir wurden sogar eingeladen, noch eine Runde auf dem Ammersee zu segeln. Da sagten wir nicht nein! Und so sprangen wir vom Boot aus abermals ins kühle Nass – und neben diesem endete dann auch unsere Reise: bei sternenklarem Himmel im Schlafsack, keine zehn Meter vom Ufer des Sees entfernt und diesmal ohne Tarp, nur die Sterne über uns. Zufrieden, aber auch erschöpft lagen wir auf der Wiese, die letzten zehn Tage im Kopf und neben Freunden, die wir vorher nicht kannten, die aber unterwegs zu solchen wurden.

 

Das großes Riverwalk-Finale am Ammersee mit Sigrun Lange und Wolfgang Hug, beide WWF (Foto: Christian Kröck).


Zurück

TOP