Tipp 16 - Geschiebe / Flussdynamik

Wenn der Kies fehlt, wird’s langweilig ...

 

... das gilt nicht nur für Hobbykapitäne. Wer sich alte Fotos oder Karten von Flüssen ansieht, kann kaum glauben, wie dramatisch sich die Fließgewässer in den letzten rund 200 Jahren verändert haben. Oder besser: wie stark sie verändert wurden. Ursprünglich formten allein die Naturkräfte das Bett und die Gestalt der Flüsse. Bei jedem Hochwasser trugen die Wassermassen riesige Mengen Kies, Schotter und Sand – das Geschiebe – mit sich und gestalteten den Flusslauf und die angrenzende Aue. Im Zuge der Regulierung der Flüsse (vor allem zum Hochwasserschutz, zur Landgewinnung sowie für die energetische Nutzung) bremste der Mensch vielerorts den natürlichen Lauf des Wassers und formte mehr oder weniger gerade Flussläufe mit verbauten Ufern. Das Resultat: Nur noch wenige Flüsse und Bäche sind natürlich und können frei fließen – mit gravierenden Folgen für das Leben im und um den Fluss.

Alpenflüsse
Lechstausee in Bayern (Bild: Harald Jungbold)

Stauwerke verändern die Fließgeschwindigkeit der Gewässer und führen zur Erwärmung der gestauten Bereiche. Sie halten das Geschiebe zurück und behindern Fische bei ihren Wanderungen. Die Folge: Fische, die im Kies laichen, und kälteliebende Arten verschwinden. Bei Hochwasser werden nicht mehr alljährlich neue Kiesinseln geformt. Fehlen „frische“, wenig bewachsene Kiesinseln, schwindet der Lebensraum für Flussregenpfeifer, Kiesbank-Grashüpfer oder Deutsche Tamariske. Mit der Stauhaltung gehen zudem ökologisch wichtige Grundwasserschwankungen verloren. Je nach Lage vor oder nach dem Wehr ertrinken oder vertrocknen die Auwälder, die artenreichen „Regenwälder“ Europas.

 

Mittlerweile hat ein Umdenken eingesetzt. Ein Beispiel ist das „Geschiebemanagement“ des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Weilheim: Im Frühjahr 2017 wurde tonnenweise zurückgehaltenes Gesteinsmaterial aus dem Sylvensteinspeicher mit Lastwagen zum Isarufer unterhalb der Schwarzenbachmündung gebracht und dort in den Fluss gekippt. Denn oberhalb der Staumauer bleiben jedes Jahr viele Tausende Kubikmeter Geschiebe hängen, die dem Fluss weiter unten fehlen (siehe auch Artikel des Münchner Merkur vom 27.2.2017).

TOP