Tipp 17 - Renaturierung der Isar

Die Isar im Stadtgebiet München (2000 bis 2011)

 

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Isar auch im Münchner Stadtgebiet ein typisch alpiner Wildfluss mit ausgedehnten Kies- und Sandbänken und einem sich stetig verlagernden Flussbett war. Aufgrund der häufigen Hochwasser wurde sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts begradigt und in ein enges Korsett gezwängt – mit Deichen, Ufermauern, Wehranlagen. Mehr als 100 Jahre lang floss die Isar auf einer Länge von knapp 14 Kilometern kanalartig durch die Stadt. Doch manchmal erkennt der Mensch die Fehler, die er machte, und so wurde die Isar seit der Jahrtausendwende im Rahmen einer umfassenden Renaturierung wieder in einen naturnahen Zustand versetzt: Mit flachen Ufern, Kiesbänken, Kiesinseln und flachen Rampen aus großen Steinblöcken mit zwischengelagerten Becken. Die Isar kann wieder mäandern und bei Hochwasser ihre Ufer und Kiese umlagern. So erhalten isartypische Tier- und Pflanzenarten eine neue Chance, sich anzusiedeln.

 

Die Rückkehr der Deutschen Tamariske

 

Ein eindrucksvolles Beispiel, wie der Isar mehr Raum gegeben werden kann, ist die Renaturierung des Flusses zwischen der Wehranlage in Icking und dem Kraftwerk Mühltal. Seit 1928 wird das Wasser an der Wehranlage aus der Isar über einen Werkkanal dem Kraftwerk Mühltal zugeleitet. Die Isar wurde damals in ein massiv befestigtes Gerinne gezwängt, so dass die einst ausgeprägten Kiesbänke verschwanden und Wald aufwuchs. Im Jahr 1998 wurde für den Kraftwerksbetrieb ein neuer Wasserrechtsbescheid erlassen. Er verpflichtete den Betreiber, mehr Wasser in der Isar zu belassen (Mindestabfluss von durchschnittlich 15 m) und zusätzlich Maßnahmen zur Renaturierung durchzuführen, u.a. die Entnahme der starren Uferverbauungen auf ca. 40 Prozent der Uferlänge. Damit konnte die Dynamik der Isar wieder ein Stück weit hergestellt und Kiesflächen zurückgewonnen werden. Ein großer Erfolg, denn mit den Kiesbänken kehrte auch die seltene Deutsche Tamariske an die Isar bei Mühltal zurück! (siehe Artikel Binder und Gröbmaier im Auenmagazin, Heft 07/2014, S. 52-53).

 

Doch auch wenn die Entnahme der Uferverbauungen zu mehr Kiesflächen führte - auf die weiter entfernt liegenden Auwälder hatte dies keine Auswirkungen. Im Winter 2015/2016 wurde schließlich ein Auenbach mit einer Länge von 1,4 Kilometern angelegt, der einer ehemaligen Flussrinne der Isar folgt. Er wurde im Sommer 2016 geflutet. Seither bietet er Lebensraum für und Laichplätze für Fischer und viele andere Aue- und Flussbewohner (siehe auch Artikel von Walter Binder im Auenmagazin 11/2017, S. 23-25).

 

Barrierefreie Isar bis 2021

 

Ein aktuelles Projekt soll wandernden Fischarten zu Gute kommen: Die Isar soll bis 2021 für alle Wassertiere vom Sylvensteinspeicher bis zur Mündung bei Deggendorf barrierefrei werden. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem die modernen Turbinen des Wasserkraftwerks in Baierbrunn sowie die Umbauten des Oberföhringer Wehrs, des Mollwehrs bei Unterföhring oder des Ismaninger Wehrs. Auch außerhalb des Münchner Raums ermöglichen neue Aufstiegshilfen wie Fischtreppen und Umgehungsgewässer an Kraftwerken, dass Fische isaraufwärts wandern können, etwa an verschiedenen Stellen im Landkreis Landshut. Wer also demnächst die Isar entlangfährt oder -wandert, kann sicherlich einige Flussabschnitte entdecken, die im Sinne der Barrierefreiheit für Flussbewohner gestaltet wurden.

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