Tipp 4 - Kanada liegt gleich hinter München …


… könnte meinen, wer die wilden Landschaften an der Isar entdeckt. Wer mitten in München – etwa an der Reichenbachbrücke – auf die Isar blickt, dem erschließt sich wahrscheinlich nicht, dass sie einer der letzten Wildflüsse Deutschlands ist. Wer aber einmal gesehen hat, wie sich der Fluss in der Pupplinger Au bei Wolfratshausen Platz nimmt, wie er Tonnen von Kies und Schotter vor sich herschiebt und wie in einem riesigen Sandkasten mal hier mal dort neu aufschüttet, wie er sich in unzähligen Armen über die breite Schotterebene verästelt oder laut tosend Baumstämme wie Zahnstocher in der Landschaft verteilt, der versteht sehr schnell, dass die Isar nicht von ungefähr den Beinamen „die Reißende“ trägt. Wer hier für einen Augenblick die Geografie außer Acht lässt, der kann sich auch mitten in Kanada wähnen, in einer unberührten, ursprünglichen Wildflusslandschaft.


Lebensraum für Spezialisten
Die Isar ist nach wie vor ein wilder Alpenfluss, mit  vielen unterschiedlichen Lebensräumen. Eine solche Wildflusslandschaft ist faszinierend für den Menschen, wunderbar zum Kajak- oder Bootfahren und lebensnotwendig für viele besondere Tiere und Pflanzen. Hier können nur solche Arten überleben, die mit dem dauernden Wechsel von nass und trocken, Hoch- und Niedrigwasser, heiß und kalt gut zurechtkommen oder ihn sogar brauchen. Viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht, weil es nur noch ganz wenige Wildflusslandschaften in Bayern, ja sogar in ganz Europa, gibt. Viel zu oft wurden Flüsse im vergangenen Jahrhundert zwischen betonierten Ufern eingesperrt, ihr Bett für die Schifffahrt ausgebaggert, ihr Wasser in Stauseen gefangen und ihr natürlicher Verlauf durch Wasserkraftwerke zerschnitten.


Wo es heiß hergeht
Klar, dass die verbliebenen wilden Abschnitte der Isar also besonders wertvoll sind – für uns Menschen, aber auch für die seltenen Tiere und Pflanzen, die dort leben. Im Naturschutz nennt man solche Gebiete „Hot Spots“ – Gebiete, in denen es in puncto Artenschutz echt heiß hergeht, weil es dort viele seltene Tiere und Pflanzen gibt. Was zu ihrem Schutz getan wird und was ihr dazu beitragen könnt, erfahrt ihr in unseren nächsten Tipps.

Copyright: Sigrun Lange, WWF
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